Wie „Termiten im Termitenbau“ leben die Menschen in Hochhaus-Wohnungen, schreibt ein ZEIT-Leser, der hier stellvertretend für viele zitiert sei. Er zieht daraus die Konsequenz: „Richtig und anzustreben sollte doch nur das Eigenheim mit eigenem Garten, zumindest das Reihenhaus mit Garten sein.“

Nicht nur Eigenheim-Aspiranten, sondern auch prominente Architekten und Soziologen fordern immer wieder eine „Ent-Dichtung“ der Städte. Sie machen eine Rechnung auf, die sich verblüffend einfach ansieht: Selbst wenn – im theoretischen Extremfall – jeder Vier-Personen-Haushalt der Bundesrepublik ein eigenes Haus mit Garten hätte, so wären mit diesen rund 15 Millionen Tausend-Quadratmeter-Grundstücken (einschließlich Straßen, kommunalen Bauten und sonstigen Gemeinschaftseinrichtungen) noch nicht einmal 6 Prozent des Gebiets der Bundesrepublik bedeckt.

In der Tat könnten Städte und Gemeinden viele Millionen von Quadratmetern durch sogenannte Umwidmung zu Rohbauland erklären. Wenn das in genügendem Ausmaß geschähe, müßten nach Meinung der Entdichtungs-Verfechter sogar die Bodenpreise erheblich ins Rutschen geraten – ein Vorgang, den es seit Menschengedenken auf deutschem Boden nicht gab.

Die kalte Dusche bleibt denn auch nicht aus. Sie kommt von den Bauexperten. Ein Sprecher der gewerkschaftseigenen Wohnungsbaugesellschaft Neue Heimat meint: „Das gäbe gigantische Fehlinvestitionen. Wenn wir so weit draußen an den Vorperipherien der Städte bauen würden, wie das dann nötig wäre, so würden wir auf unseren Eigenheimen sitzenbleiben“.

Und Baudirektor Morgenstern, führender Landesplaner der Baubehörde der Hansestadt Hamburg, meint: „Eine solche Zersiedlung ginge auf Kosten der Allgemeinheit. Stellen Sie sich nur einmal das Landschaftsbild vor: Zaun an Zaun und Mauer an Mauer, kilometerweit ... Denn jeder will sich natürlich vom Nachbarn möglichst gründlich abkapseln.“

In der Bundesrepublik ist jedoch das Wohn-Ideal nach wie vor das freistehende Eigenheim, um das „man herumgehen kann“. Und diese Wohnform ist zweifellos unter allen denkbaren eine der angenehmsten, wenn auch nicht eine der billigsten – zumindest dann nicht, wenn man den Vermögenszuwachs ignoriert und Kaufpreis plus Hypothekenzinsen minus Steuerersparnissen lediglich als Kostenfaktoren betrachtet.

Jedem Deutschen durch „Umwidmung“ von genügend Grund und Boden preiswertes Bauland und damit ein erschwinglicheres Wunschheim zu verschaffen, dieser Plan muß auch an rein finanziellen Erwägungen scheitern. Mit dem „Umwidmen“ allein wäre es nicht getan. Straßen müßten gebaut, Siele und Kanäle angelegt, Schulen und Kindergärten errichtet und Leitungen für Gas, Strom und Wasser gelegt werden. Die gesamte Erschließung würde viele Milliarden Mark verschlingen.