Die am 19. September auf den Markt gekommene, mit einem Zinssatz von sechs Prozent ausgestattete neue Bundespostanleihe war praktisch schon vor dem offiziellen Zeichnungsbeginn untergebracht. Damit ist der Start mit dem ersten Sechsprozenter geglückt.

Niemand ist darüber glücklicher als Bundesregierung und Bundesbank, Denn von dem neuen Zinssatz geht eine noch stärkere Attraktivität des deutschen Kapitalmarktes auf ausländische Emittenten aus, als sie bisher schon vorhanden war, Deshalb wird sich der bereits in den letzten Monaten forcierte Kapitalexport demnächst noch verstärken. Er läßt die lästigen Überschüsse aus der Handelsbilanz geringer werden, dadurch verlieren die Forderungen der Ausländer nach einer zweiten Markaufwertung an Gewicht.

Niemand sollte sich aber darüber Illusionen machen, daß der frisch gebackene Sechsprozenter vorerst noch auf einem schwachen Unterbau steht. Die Bundespostanleihe verschwindet zum überwiegenden Teil in den Portefeuilles der Kreditinstitute und anderer Großanleger, die diese Titel lediglich als eine willkommene Anlage für ihre überschüssige Liquidität ansehen. Wird sie eines Tages durch eine größere Kreditnachfrage oder durch Bundesbankmaßnahmen eingeengt, werden die Sechsprozenter die ersten sein, die auf den Markt geworfen werden.

Deshalb ist zu hoffen, daß bei einer künftigen Konjunktursteuerung das „weicher“ wirkende Stabilitätsgesetz zur Anwendung gelangt und nicht die zwangsläufig harte Bundesbankbremse.

kw