Von Wolf gang Hildesheimer

Meine Maulwürfe“, so heißt es warnend in der Präambel zu den Prosatexten von

Günter Eich: „Maulwürfe“; Suhrkamp Verlag, Frankfurt; 70 S., 10,– DM

„sind schädlich, man soll sich keine Illusionen machen. Über ihren Gängen sterben die Gräser ab, sie machen es freilich nur deutlicher.“ Schon hier exerziert er den ersten jener Gedankensprünge vor, die der Leser mitvollziehen muß, um sich das Verständnis für diese Stücke zu erarbeiten.

Was, fragen wir, machen sie deutlicher? Sie machen deutlicher, daß die Gräser längst abgestorben sind: daß unsere Realität sich als Schrecknis offenbart, daß sie sich dem poetischen Ausdruck entzieht, daß ihre Banalität, ihre widersinnigen Aspekte, nur noch, gleichnishaft, in Wortspielen wiederzugeben sind, in Satzspielen, wie sie diese Maulwürfe darstellen. Mehr noch: daß der Kalauer, im rechten Moment angewandt, die verschiedensten Sichten dieser Realität metaphorisch zu Wahrheit verarbeiten kann. „Kalauer sind keine Steigerung von Calau. Aber mir sind sie recht. Eine Möglichkeit, die Welt zu begreifen, vielleicht die einzige, anspruchslos und lila.“

So nimmt Eich dem Leser den potentiellen Vorwurf aus dem Mund. Denn es leuchtet ein, was er sagt: die Lyrik wird, auch dort, wo sie das Material des Grauens zu transportieren sucht, zunehmend unbrauchbar, in gemeinem Lila sind die Dinge sprachlich besser repräsentiert.

Eich drückt auf die Tube, aber er bedient sich des Lila in Parenthese, er gibt vor, „anspruchslos“ zu sein, ist es aber in Wirklichkeit nicht, sein Standort ist eben doch kein Maulwurfshügel, sondern eine andere, ihm eigene – und nur ihm zugängliche – Erhöhung, die ihm einen einzigartigen Blick erlaubt. Hier steht er, einsam und um weiteres erhöht durch einen lästigen „Schulterreiter“, der Nathanael heißt und ihm die Bürde des Abseitsstehenden, des – sprechen wir es aus – Erwählten noch erschwert. „Wie lange bleibt er? frage ich möglichst unbefangen. Ich habe hier einen guten Überblick, sagt er, du bist einssiebenundneunzig. Soll ich stolz darauf sein, daß ich ihm am besten gefalle