Zwei Parlamentarier reisten vom Rhein an den Potomac – Kurt Birrenbach (CDU) als „Sonderbotschafter des Kanzlers“ und Helmut Schmidt (SPD) als Abgesandter seines Parteivorstandes. Sie sollten die amerikanische Schutzmacht für die Sicherheitssorgen interessieren, die seit dem sowjetischen Überfall auf den tschechoslowakischen Nachbarn in Bonn grassieren.

Doch die Parlamentarier-Diplomatie erzielte eher markige Worte, denn konkrete Taten:

  • Washington will sich weiter an den Expertengesprächen über die Lage in Mitteleuropa beteiligen und stimmte nur zögernd Kiesingers Vorschlag für eine Sonderkonferenz der NATO-Minister zu.
  • Die Amerikaner werden ihren Beitrag zum NATO-Bündnis unverändert leisten, verlangten jedoch von ihren europäischen Verbündeten „erhöhte“ Verteidigungsanstrengungen.
  • Die Rotation wird beschleunigt und verstärkt. Für die in diesem Jahr aus der Bundesrepublik abgezogenen 34 000 US-Soldaten werden an den NATO-Mannövern 1969, die vorverlegt werden sollen, 55 000 bis 75 000 Mann teilnehmen.
  • Präsident Johnson bekräftigte die amerikanische Berlin-Garantie, Außenminister Rusk kündigte eine eindeutige Erklärung zu den „Feindstaatenklausein“ der UN-Charta an.

Vor Abgabe der Erklärung, die Moskaus Interventionsdrohung gegenüber der Bundesrepublik abblocken soll, wollte Washington noch London und Paris konsultieren, Die britische Regierung ließ aber schon am Wochenanfang verlauten: Sie betrachte die Artikel 53 und 107 als „irrelevant in dieser Situation“.

Die französische Regierung zog nach: Die sowjetische Interpretation der UN-Artikel sei „mißbräuchlich und ungenau“. Schließlich erklärte das State Departement in Washington: Jede militärische Aktion gegen die Bundesrepublik werde unverzüglich Abwehrmaßnahmen der NATO zur Folge haben.