R. Z., Bonn, im September

Wenn der Bundestag jetzt aus den Ferien zurückkommt, wird er feststellen müssen, daß über ihm neuerdings Herren thronen, sozusagen ein höchster und ein allerhöchster. Seit einiger Zeit nämlich besitzt das Parlament nicht nur einen Präsidenten, sondern auch einen Direktor – einen Direktor freilich, den es sich keineswegs selber ausgesucht hat; er entsprang vielmehr dem unerforschlichen Ratschluß des Präsidenten.

Am 29. März hatte der Bundespräsident „die Befugnis zur Festsetzung der Amtsbezeichnung für den Leiter der Verwaltung des Deutschen Bundestags“ auf den Bundestagspräsidenten übertragen. Im Juni machte Eugen Gerstenmaier von dieser Befugnis Gebrauch und ordnete an, die Amtsbezeichnung laute künftig „Direktor des Deutschen Bundestags“. Inzwischen künden Türschild und Briefbogen des Verwaltungschefs Hans Trossmann von dessen neuer Würde. Bis dahin hatte Trossmann mit dem Titel „Direktor beim Bundestag“ vorliebnehmen müssen. Diese Bezeichnung klang gestelzt, entsprach aber immerhin der Tatsache, daß der Verwaltungsdirektor nicht Vorgesetzter der Abgeordneten ist. Unter der alten Amtsbezeichnung ist Trossmann auch noch im Haushaltsplan von 1968 aufgeführt.

Formell war Präsident Gerstenmaier wohl im Recht, als er seine einsame Entscheidung fällte. Trotzdem nehmen sie ihm viele Abgeordnete übel. „Es fehlte nur noch“, schimpfte einer seiner vielen Kritiker im Bundeshaus, „daß er seine Anordnung mit dem Satz begonnen hätte: ‚Ich, Eugen, von Gottes Gnaden...‘.“