Die Saarländer wollen ihre Armut nicht länger tragen. Während die Bundesbürger 1967 ein Bruttoinlandsprodukt von durchschnittlich 8090 Mark erreichten, mußten sich die Saarländer mit nur 6545 Mark pro Kopf begnügen. Als das große Übel sehen sie ihre Abgeschiedenheit an. Geplagt von einer notleidenden Kohle- und Eisenindustrie, in der fast 50 Prozent der Arbeitnehmer tätig sind, sehnen sie sich nach zukunftssicheren Produktionszweigen.

Um dieses Ziel zu erreichen, wollen die Saarländer zunächst einen Anschluß an die prosperierenden Industriegebiete. Sie wollen einen Kanal von Saarbrücken durch die Pfalz an den Rhein. Über die Wasserstraße würden die Produkte der Saarindustrie auf schnellstem und billigstem Weg nach Mannheim und zu den anderen Absatzmärkten transportiert.

Der Saar-Pfalz-Kanal würde die ansässigen Hersteller erst richtig konkurrenzfähig machen. Gleichzeitig hoffen die Saarländer, daß die Vorzüge des Kanals und das reiche Angebot in Arbeitskräften neue Produktionsbetriebe in ihr Land locken werden.

Auch die Pfälzer warten auf den Kanal. Für ihr Land wird er – so glauben sie – erster Schritt zu einer umfassenden Industrialisierung sein. Vor allem wollen sie Steine, Erde und Baustoffe über den Kanal zu den Absatzmärkten bringen.

Saarländer und Pfälzer lehnen die Kanalisierung der Saar bis zur Mosel, die ihnen als billigere Alternativlösung zum Saar-Pfalz-Kanal angepriesen wird, ab. Beiden hilft diese Lösung nur teilweise.

Die Frachtkosten sprechen für den Saar-Pfalz-Kanal. Der Weg von Saarbrücken nach Ludwigshafen würde für eine Tonne Eisen auf dem Saar-Pfalz-Kanal 10 Mark kosten; über Saar, Mosel und Rhein erhöht sich der Frachttarif um die Hälfte. Die Fahrzeit in das Zielgebiet beträgt über den Kanal nur 8,2 Tage, gegenüber 14,9 Tagen durch den krümmungsreichen Weg.

Nach Berechnungen der Kanalexperten kann auch die Bundesbahn, selbst mit den günstigen Als-ob-Tarifen, nicht mit dem Saar-Pfalz-Kanal konkurrieren. Der Transport einer Tonne Eisen auf dem Schienenweg kostet von Saarbrücken nach Koblenz 13,20 Mark, gegenüber 11,97 Mark über den Kanal. Für die Strecke Saarbrücken-Ludwigshafen müßten die Saarländer 11,10 Mark bezahlen.