Das Wesen des Irrtums aller nur möglichen politischen Lehren ist stets dasselbe – es besteht darin, daß die Menschen dieser Welt es für möglich hielten und noch halten, die Menschen so durch Gewalt zu vereinigen, daß sie sich ohne Widerspruch einer und derselben Lebensordnung und den aus derselben entspringenden Gesetzen der Lebensführung fügen.

Lev N. Tolstoj

Marxistischer Barlach

Für Bürger der DDR sei es nicht mehr zu verantworten, Mitglieder einer westdeutschen Vereinigung zu sein. Das befand im März dieses Jahres eine Versammlung führender Kulturfunktionäre in Ostberlin. Und deshalb wird der „Deutsche Kulturbund in der DDR“ am 5. Oktober einen „Arbeitskreis zur Pflege, Interpretation und Popularisierung des Barlach-Werkes“ gründen: damit die 200 DDR-Mitglieder der gesamtdeutschen Barlach-Gesellschaft diese Stätte des kapitalistischen Grauens endlich verlassen können. Hinfort werden sie das Werk Ernst Barlachs „vom wissenschaftlichen Standpunkt der marxistisch-leninistischen Philosophie und Ästhetik“ her interpretieren müssen.

Katholischer Lehrsatz

„Teorema“, der neue Film des italienischen Regisseurs Pier Paolo Pasolini, ist durch eine einstweilige Verfügung des Generalstaatsanwalts von Rom wegen Obszönität beschlagnahmt worden. Gegen den Film hat der Osservatore Romano eine heftige Kampagne geführt. Die Vatikan-Zeitung nannte „Teorema“ negativ und gefährlich, und die Filmbewertungsstelle der katholischen Kirche gab ihm das Prädikat: „für jedes Publikum auszuschließen“. Bei den Filmfestspielen in Venedig hat der Film den Preis des Internationalen Katholischen Filmbüros bekommen.

Neue Universität