Auf dem Beratungstisch des Wirtschaftspolitischen Ausschusses des Bundestages liegt ein Antrag der Abgeordneten Dr. Burgbacher, Dr. Jahm, Burgemeister und Genossen, der die Bundesregierung auffordert, zur „Förderung eines Forschungsvorhabens für die Herstellung von Kraftstoffen aus Kohle“ im nächsten Etat 6 Millionen Mark bereitzustellen.

Außerdem soll der Bundesminister für Wissenschaftliche Forschung ermächtigt werden, für die Kohlehydrierung in den nächsten drei Jahren weitere Beträge bis zu 50 Millionen Mark einzusetzen.

Alle Experten sind sich darüber einig, daß die sogenannte Kohleverflüssigung, die Gewinnung von Benzin aus Kohle, heute ein hoffnungslos unwirtschaftliches Unternehmen ist. Aber die Frage, ob das immer so bleiben muß, so meinen die Abgeordneten, sollte in einer Industrienation vom Range der Bundesrepublik einer eingehenden Prüfung wert sein.

Technisches Neuland ist die Kohlehydrierung für die deutsche Industrie keineswegs, sie war im „Dritten Reich“ der technisch und wirtschaftlich bedeutendste Zweig der Kohlechemie.

Bereits 1927 war in einem Tochterwerk der Badischen Anilin & Soda-Fabrik in Leuna die erste große technische Anlage zur Hydrierung von Braunkohle und Braunkohlenteer in Betrieb genommen worden.

Zehn große Hydrieranlagen wurden nach 1935 im ehemaligen Reich gebaut, vier davon im heutigen Bundesgebiet, bei der Scholven Chemie, bei der Ruhröl, der Gelsenberg Benzin und in Wesseling bei Köln im Werk der Union Rheinische Braunkohle Kraftstoff AG.

Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges wurden in den zehn Hydrieranlagen rund drei Millionen Tonnen Flug- und Fahrbenzin auf dem Wege der Verflüssigung von Stein- und Braunkohle hergestellt.