Hannover

Am Abend zuvor hatten, ihn die Freunde und Helfer der niedersächsischen Polizei vor der aufgebrachten Menge anläßlich einer Kommunal-Wahlveranstaltung beschützt. Am Mittwoch vergangener Woche waren – wenn auch hannoversche – Freunde und Helfer in Uniform bereit zur Aussage gegen ihn vor dem Amtsrichter. Adolf von Thadden, gewohnt den geraden Weg der Politik zum Ärger und Nachteil Deutschlands rechts zu verlassen, war auf den linken Pfad der Untugend gekommen, im Auto, nachts, mit 1,51 Promille.

Im März war es geschehen: Der NPD-Führer flog vom Landtagswahlkampf aus Baden-Württemberg zurück nach Hannover. Schon in Stuttgart auf dem Flughafen wurde eine Flasche südafrikanischer Weinbrand geöffnet.

Dabei blieb es nicht. Die Heimfahrt durch Hannovers vom U-Bahnbau zerwühlte Innenstadt wurde ihm zum Verhängnis. In einer Baustelle geriet er mit seinem Mercedes zu weit auf die linke Straßenseite, durchstieß eine Gerüstplanke und fuhr, so gut es sein stark lädiertes Fahrzeug zuließ, weiter, bis zu seiner Stammtankstelle. Dort begrüßte ihn die Polizei: „Herr von Thadden, es tut uns leid...“, so Thadden selbst.

Der Mensch von Thadden steht mit treuen Augen vor den Schranken des Gerichts, der Mensch, der in Stuttgart „recht durstig“ war, der „Alkohol gewöhnt ist“ und bei Besteigen seines Fahrzeugs, daß in der Innenstadt Hannovers abgestellt war, noch nach entsprechender Frage eines Zechkumpanen sich für völlig fahrtüchtig hielt. Auch sehr rechte Menschen sind Menschen.

Von Fahrerflucht kann wegen der Geringfügigkeit des angerichteten Schadens keine Rede sein. Überschriften wie „Polizei jagte NPD-Boß“ entsprangen der Phantasie einiger voreiliger Schreiber. Die Tat wird geahndet mit vier Wochen Gefängnis, auf drei Jahre zur Bewährung ausgesetzt, der Mindestfrist für Führerscheinentzug von drei Monaten und einer Geldstrafe in 15 Monatsraten von je 15 Mark, zu zahlen an den Bund gegen Alkohol im Straßenverkehr.

D. S.