Dem Deutschen Gewerkschaftsbund und den meisten der 16 Einzel Gewerkschaften geht es finanziell nicht gerade rosig. Der Gewerkschaftliche Organisationsgrad stagniert seit Jahren bei rund 27 Prozent der Arbeitnehmer.

Dennoch lehnen der DGB-Vorsitzende Rosenberg und die meisten seiner Kollegen es ab, über jene silberne Brücke zu spazieren, die ihnen der bayrische DGB-Funktionär Wenzl Bredl wies. Er schlug nämlich – ebenso wie der Arbeitnehmerflügel der CDU – die Gründung von Arbeitnehmerkammern überall im Bundesgebiet vor. Diesen Kammern würden dann sämtliche Arbeitnehmer zwangsweise angehören. Zwangsweise würden, auch aus den Lohn- und Gehaltstüten die Mitgliedsbeiträge abgeführt werden.

Daß so etwas rechtens wäre, bestätigte bereits im Jahre 1966 das Bundesverwaltungsgericht. In zwei Bundesländern gibt es schon seit vielen Jahren Arbeitnehmerkammern: in Bremen und im Saarland.

DGB und DGB-Gewerkschaften würden durch die Bildung von Arbeitnehmerkammern in allen elf Bundesländern zweifellos finanziell entlastet werden. Viele Schu ungs-, Bildungs- und Beratungsaufgaben könnten von den neuen Kammern übernommen werden. Aber das bedeutet auch, daß die Gewerkschaften damit Funktionen verlieren würden, die sie gerade mit dem Blick auf die Zukunft für die Arbeitnehmer attraktiv machen.

Zwischen der Scylla der latenten Finanzmisere und der Charybdis des Funktionsverlustes gibt es für die deutschen Gewerkschaften nur einen Ausweg: Sie müssen ihre Mitgliederwerbung verstärken, wenn das zunächst auch Geld kostet. izh