Von Wolfram Siebeck

Unser Leben sei dem Ulysses ähnlicher als dem der Drei Musketiere; aber wir tendierten immer noch dazu, es mehr in der Art der Drei Musketiere zu sehen, als in der des Ulysses – stellte ein kluger Zeitgenosse fest und forderte vor allem die Filmproduzenten auf, daraus, bitte schön, die Konsequenzen zu ziehen.

Ich weiß nicht, ob sie es getan haben. Aber wenn wir morgen die Filme sehen, die heute gedreht werden, können wir sehr leicht zu der Überzeugung kommen, das Leben sei auch nicht so wie Ulysses sondern eher wie eine Volkshochschule für Kopulationswillige.

Deutschlands Regisseure haben sich nämlich vorgenommen, uns aufzuklären. Von Hamburg bis München liegen nackte Jungdarstellerpaare auf klinisch kühlem Linnen vor der Kamera. Den Koitus in seiner ganzen Schönheit werden sie uns zeigen – mit Kommentaren dazu, damit wir auch begreifen, was da vor sich geht. Und es wird nicht mehr lange dauern, bis auch der letzte Kinobesucher in der letzten Reihe weiß, was die intime Stunde geschlagen hat.

Was aber ist mit den Leuten, die nicht ins Kino gehen? Die statt dessen Kreuzworträtsel lösen? Bei der großen Verbreitung dieser Rätselart wird es eine Menge Leute geben, die das Leben weder mit den Drei Musketieren noch mit Ulysses identifizieren, sondern eher mit 14 waagerecht: Papageienart = ARA.

Um diesen bemoosten Hinterwäldlern zu zeigen, wie das Leben wirklich ist, hat der Kreuzworträtsel-Dachverband beschlossen, künftig auch Wörter zu verwenden, die dem Aufklärungsbedürfnis Rechnung tragen. Also „erogene Zone“ statt „Göttin der Morgenröte“ und „sekundäres Geschlechtsmerkmal“ an Stelle von „Donau-Nebenfluß“.

Wenn wir dann so weit sind, daß kein Mensch mehr „MAGEN“ rät, wenn nach einem „menschl. Organ“ gefragt wird, dann ist es Zeit, die letzte sexfeindliche Bastion zu stürmen. Ich meine den Sport.