In Nigeria naht die Stunde der Entscheidung: Nach dem Fall von Aba und Owerri rückten die Bundestruppen bei Wochenbeginn in drei Stoßkeilen auf Umuahia vor, die letzte bedeutende Bastion Biafras. Etwa fünf Millionen Ibos drängen sich jetzt auf einem Gebiet von nur 80 Kilometern Durchmesser zusammen. Iljuschin-Bomber, MiG-Jäger und sowjetische Boden-Boden-Raketen der Zentralregierung schießen sich auf Uli und Uturu ein, die beiden letzten Landepisten Biafras, auf denen noch Nachschub an Nahrungsmitteln, Munition und Waffen abgeladen werden kann.

Doch obwohl die militärische Lage Biafras nach konventionellen Maßstäben hoffnungslos erscheint, ist ein Ende des nun schon 16 Monate dauernden Dschungelkrieges noch nicht abzusehen.

In seinem massiven Befehlsbunker zu Umuahia bereitet Biafra-Chef Ojukwu Notstandspläne vor: Nach ihrem Durchbruch sollen die Bundestruppen in einen endlosen Guerillakrieg nach dem Muster Vietnams verwickelt werden. Die Führung will sich von einem Notflugplatz nach Libreville, der Hauptstadt Gabuns, absetzen und dort eine Exilregierung bilden.

Neben Tansania, Sambia und der Elfenbeinküste ist Gabun das einzige Land, das Biafra völkerrechtlich anerkannt hat. Mit französischer Unterstützung hat es die Warenlieferungen für Biafra verstärkt, nacidem der Nachschub aus Lissabon ins Stocken geraten war.

Die Lage der Ibo-Bevölkerung blieb unterdessen verzweifelt. Nach zuverlässigen Schätzungen sterben jetzt wöchentlich 10 000 Menschen – meist Frauen und Kinder – an Hunger und Mangelerkrankungen. Zwar hat das Internationale Rote Kreuz seine nächtlichen Versorgungsflüge nach dreiwöchiger Zwangspause wieder aufgenommen. Aber bei einem täglichen Mindestbedarf von 300 Tonnen konnten die sechs IRK-Maschinen vorige Woche nur 130 Tonnen Nahrungsmittel pro Tag einfliegen.

Zudem werden die Versorgungs- und Verteilerprobleme immer schwieriger: Die Ibo-Bevölkerung sieht sich vor den anrückenden Bundestruppen in den unwegsamen Dschungel zurück. Lediglich der Abwurf von Lebensmitteln per Fallschirm kann jetzt noch Rettung bringen. Ein schwedischer IRK-Experte traf am vorigen Wochenende bereits auf der spanischen Insel Fernando Póo ein, um die Möglichkeiten zu prüfen.