Was Hans Christian Andersen in seinem Märchen von dem nackten Kaiser berichtet, stimmt nicht. Wissenschaftlich gesagt, hat er die damalige Realität des Lebens nach der Methode des monarchistischen Romantismus geschildert.

Das Histörchen von den zwei Schwindlern, die dem König einredeten, sie wollten ihm ein Goldgewand von so besonderer Art nähen, daß es nur für auserwählte Weise sichtbar sei, und die ihm auf diese Art das Staatssäckel leerten: das ist nur die offizielle Version!

Beachten Sie, wie doch alles „stimmt“. Der Herrscher ist vertrauensselig, denn er ist gütig. Die Betrüger sind hergelaufene Strolche, wer weiß, wer sie aus dem Ausland an den Hof geschickt hat. Und kaum ertönt eine einzige Stimme prinzipieller Kritik, und das von ganz unten, der kleine junge, folgt die Abhilfe auf dem Fuß, und die Beutelschneider werden. bestraft.

In Wirklichkeit hat den König natürlich keiner hinters Licht geführt. Er paßte nämlich höllisch auf, daß gerade dies nicht geschehe, indem er nur Dummköpfe an seinen Hof berief.

Seine Höflinge betrogen ihn auch wirklich nicht. Sie stahlen bloß, dazu braucht man nicht viel Verstand. Oder sie verteilten untereinander ganz legal und mit königlicher Genehmigung Prämien für den, der den größten Unsinn machte.

Unter ihnen waren auch selbstlose Biedermänner. Doch die waren für die königliche Ökonomie in leitenden Funktionen am gefährlichsten. Stellen Sie sich vor, was das für Dummköpfe waren, wenn sie bei einer solchen „Ordnung“ der Dinge sich nicht bereicherten, aber auch nicht sahen, daß die anderen klauten!

Das Königreich war nicht groß, die königliche Schatulle war bald leer. Als Ihre Majestät aus Verzweiflung auch den letzten Dukaten des unantastbaren Staatsschatzes vertrunken hatte, an dem sich nicht einmal die Diebe zu vergreifen sagten, denn er war für die königliche Repräsentation bestimmt, da war klar, daß man etwas unternehmen mußte, um so dringlicher, als man ein großes Volksfest feiern wollte, an dem der Kaiser in seinen neuen Kleidern erscheinen sollte.