Von Dieter E. Zimmer

In Mexico City könnten die Demonstrationen der Studenten die Olympiade verhindern; in Cannes, Avignon, Venedig, Mailand sprengen sie Festspiele und Ausstellungen, oder beinahe. Und nun, in Frankfurt, hat es auch die Buchmesse erwischt.

Nur äußerlich ging es da um die Frage, ob Senghor einen Friedenspreis verdient; das hätte sich auch ohne diese Aufregung klären lassen. Worum es vielmehr ging, war das Verhältnis der bestehenden Gesellschaft zu denen, die sie revolutionieren wollen, ein Konflikt, der sich an jeder Detailfrage in aller grundsätzlichen Schärfe entzünden kann.

Ein Jahr liegen die Anti-Springer-Demonstrationen auf der Buchmesse zurück. Ein Jahr lang hatte der Börsenverein (die Dachorganisation der Unternehmer im Verlags- und Sortimentsbuchhandel) Zeit, nachzudenken, wie man sich diesem neuen Phänomen gegenüber verhalten solle. Das Ergebnis des Nachdenkens hieß: Polizei.

Zum Thema „Messefrieden“, einem ganz schön weitläufigen mittlerweile, gehört jener Provinzjournalist, der sich im Messebüro schüchtern erkundigt, welche Störaktionen geplant seien, und bitte wann und wo; dazu auch seine vielen Kollegen, deren Aufmerksamkeit kaum noch den Büchern und auch nicht dem Geschäft mit Büchern gilt, sondern dem, was der Börsenverein „spektakuläre Begleiterscheinungen“ oder, deutlicher, „widerwärtige Randerscheinungen“ nannte.

Dazu gehört, daß der Besucher in diesem Jahr zum erstenmal sich überall auf dem Messegelände einer aktenblauen Hausordnung konfrontiert sah, in der die Messedirektion, die bisher entgegen dem Wunsch mancher Aussteller auf der Öffentlichkeit der Messe bestanden hatte, damit drohte, diese Öffentlichkeit auszusperren.

Dazu gehören die Rundschreiben an die Verlage, die sie zu würdigem Benehmen aufforderten, sowie die Enzyklika der Messedirektion an die Frankfurter Hoteliers, die ihnen nahelegte, „unerwünschte Elemente“ fernzuhalten.