Zahlen, sagt man, sprechen für sich. Auf der ersten Frankfurter Buchmesse im Jahre 1949 stellten 205 Verleger eines Landes ihre Produktion vor; 1968 waren es 2954 Verleger, und sie kamen aus 57 Ländern.

Die Ausstellungsfläche wurde 1957 zum erstenmal vermessen und 10 800 Quadratmeter groß befunden; seither hat sie sich auf 36 000 Quadratmeter erhöht.

1957 zählte man 78 000 Besucher, im vorigen Jahr waren es 174 490; diesmal ging die Zahl drastisch herunter: auf etwa 120 000.

Man hatte es überhaupt mit dem Zählen. Den Eröffnungsvortrag hielt nicht ein Erzähler, sondern eine Zählerin: Professor Dr. Elisabeth Noelle-Neumann teilte die Ergebnisse einer neuen Vermessung der deutschen Bücherleser und Bücherkäufer mit.

Sind die Zahlenrekorde eindrucksvoll? Nach seinem stärksten Eindruck auf der Buchmesse befragt, nannte der Nachwuchsschriftsteller Wolf Wondratschek: eine Polizistenfaust in meinem Magen. Und wie mag einer der jungen Leute, der die Chance nicht hatte, ein Schriftsteller zu werden, der ein Ordnungshüter wurde und sich nun auf einmal unter der Abstraktion „Polizei“ als Erzübeltäter fühlen soll, diese Buchmesse erlebt haben?

Der SDS flüchtete aus internen Querelen, wie sie auf seinem Frankfurter Kongreß offenbar geworden waren, nach vorn, in die Aktion – und stieß auf hilflose Gegner. Dutschke-Impulse kamen von Daniel Cohn-Bendit, den man „Danny“ nennen muß, wenn man sich ganz „in“ fühlen dürfen will.

Die Verleger waren in ihren Sympathien und Antipathien gespalten. Eine Mehrheit wählte zum Vorsteher des Börsenvereins an die Stelle von Friedrich Georgi, der wenig glückhaft operiert hatte, den Ullstein-Direktor Werner Stichnote, der schon wegen seiner Zugehörigkeit zum Springer-Imperium kein gutes Omen sein kann für ferneres Messeglück.