Von Arnold J. Toynbee

Der Mensch ist im wesentlichen geblieben, was er war. Seine Umwelt hat sich jedoch fast bis zur Unkenntlichkeit verändert, und heutzutage unterwirft diese Veränderung die Menschen einem nahezu unerträglichen Druck.

Unser jetziger Zustand ist eine Ironie, denn unsere neue Umwelt ist künstlich, und wir haben sie selbst geschaffen. Im Verkehr mit der Umwelt drückt sich das Bewußtsein des Menschen in der Wissenschaft aus und sein Wille in der Technologie. Wissenschaft und Technologie sind so alt wie die menschliche Natur selbst. Die ältesten Spuren des Menschen auf diesem Planeten sind geschärfte Steinwerkzeuge. Der erste Steinschärfer war der erste Technologe und Wissenschaftler. Er war ein Wissenschaftler, weil er begriff, daß ein natürlicher Gegenstand seinen Zwecken besser dient, wenn er ihn anpaßt; er war ein Technologe, weil er seine Wissenschaft auf die rohe Natur anwandte. Indem er sich daranmachte, seine natürliche Umgebung zu formen, begann er auch, die Herrschaft über sie zu gewinnen.

Im Laufe der ersten Millionen Jahre seiner Existenz hat der Mensch als Wissenschaftler und Technologe bei der Beherrschung seiner natürlichen Umwelt glänzende Erfolge erzielt. Dies gelang ihm in zwei Anläufen: vor etwa neun- oder zehntausend Jahren domestizierte er gewisse Pflanzen und Tiere; vor etwa 200 Jahren begann er, sich die physische Kraft der unbelebten Natur nutzbar zu machen, zuerst mit Dampf und dann, vor 23 Jahren, durch die Atomenergie.

Heute ist die natürliche Umwelt dem Menschen völlig ausgeliefert. Doch seine Herrschaft über die inhumane Natur ist durch die Hexerei einer von Menschen gemachten künstlichen Umwelt zur Überwindung der Natur herbeigeführt worden. Nun aber – und hier setzt die Ironie ein – droht diese von Menschen geschaffene Umwelt den Menschen selbst zu überwältigen. Das ist unvermeidlich, denn der Mensch als Wissenschaftler und Technologe ist selbst ein Teil der Natur. Der von uns selbst geschaffene Zustand ist daher nicht überraschend. Er ist jedoch bedrohlich – so bedrohlich, daß wir ihn wahrscheinlich nicht überleben werden, wenn wir uns der Macht unserer Umwelteinflüsse nicht entziehen können.

Der Kern des Problems ist die von Menschen geschaffene Ungleichheit der Größenordnungen. Da der Mensch noch immer das ist, was die Natur ihn hat werden lassen, ist seine eigene Größe eine Konstante. Unterdessen hat er die Größenordnung seiner Umwelt enorm und in allen Dimensionen erweitert. Mengen, Maße und Geschwindigkeiten sind bis ins Phantastische gesteigert worden, und kein Ende dieser Entwicklung ist abzusehen.

Wir vergrößern die Zahl der Menschen auf dem begrenzten Raum dieses Planeten, der bewohnbar ist;