Das Vorprogramm des zweiten Festival des Arts in Schiras und Persepolis, südlich von Teheran, kündete das Berliner Radio-Sinfonie-Orchester mit Lorin Maazel, das Schwarze Theater aus Prag, das Prager Kammerorchester mit dem hervorragenden Geiger Josef Suk an – aber schon bei der Ankunft in der glasklaren Luft und weiten Wüstenlandschaft von Schiras hörte man, sie kämen alle nicht. Hatten sie zugesagt? Ja, natürlich! Wirklich? Na ja, provisorisch, dann hätten sie abgesagt. Aber angekündigt wurden sie, zusammen mit Christian Ferras und Arthur Rubinstein, die dann auch tatsächlich auftraten.

Als Hans Heinz Stuckenschmidt von der FAZ ankam, war sein Koffer zwischen Berlin und Schiras verschwunden, spurlos. Als Hilmar Hofmann, Leiter der Oberhausener Filmfestspiele, ankam, waren auch seine zehn Tage früher aus Westdeutschland per Luftfracht abgeschickten 24 Kurzfilme irgendwo verschwunden, und bei seinem wenig fröhlichen Abflug von Schiras fünf Tage später gab es von ihnen immer noch keine Spur.

Als ein ähnliches Schicksal einen dritten Deutschen, Klaus Geitel von der Welt, heimsuchte (sein Koffer verschwand zwischen Teheran und Schiras, ohne Spur), hörte man spekulieren: des Schahinschahs Rache?

Aber dann kam ein Kammerensemble aus Paris mit nur drei Vierteln seiner Gepäckstücke (die Musiker mußten Luciano Berios „Circles“ aus dem Programm streichen, was bedeutete, daß Cathy Berberian nur zwei vergleichsmäßig unbedeutende Werke singen konnte), und man stellte fest, daß die iranische Luftfahrtgesellschaft ihre Opfer ohne Rücksicht auf Nationalität auswählte und schlug.

Das Schlüsselwort in den arabischen Ländern heißt Malesch: macht nichts, ist egal. Im Iran lautet es Insch’ Allah: wenn Allah es will. Ohne diese resignierende Philosophie kommt man dort kaum durch.

Ein anderes Beispiel: Die Festspielprogramme änderten sich nicht nur jeden Tag, sondern gleich mehrmals an einem Tag. Die Festspielleitung machte die meisten Bekanntmachungen nicht schriftlich, sondern mündlich: eine Stunde nach jeder Meldung gab es mindestens zwei gänzlich verschiedene Versionen. Oder: die für 18.30 Uhr angesagten Programme fingen frühestens um 19.00 an, die für 20.30 um 21.30, die für 22.30 zwischen 23.30 und 24.00 Uhr, und das Souper beim Provinzgouverneur ging erst gegen 2.30 Uhr früh anstatt um Mitternacht los.

Auch die Auswahl und das Niveau der Veranstaltungen zeigten diese Unbekümmertheit. Die besonders ausgefallenen und reizvollen Abende dieses Festivals, die Veranstaltungen mit Musik (und manchmal Tanz) aus den verschiedensten Ländern des Orients, fanden unter nachteiligen Umständen statt. Der Park, in dem Persiens großer Dichter Hafes ruht, bot, mit Riesenkerzen beleuchtet, diesen Konzerten zwar einen stimmungsvollen, sehr schönen Rahmen. Aber wenn sie endlich, endlich anfingen, hatte man schon zwei Konzerte an dem Abend hinter sich – und Bänke ohne Rücklehne demoralisieren auch den begeistertsten Anhänger persischer, indischer, japanischer, vietnamesischer, marokkanischer und pakistanischer Kunst.