Bundesverkehrsminister Leber hat eine Beleuchtung der deutschen Autobahnen abgelehnt. Leber hält dieses Projekt für zu teuer. Nach seiner Rechnung würden allein die Unterhaltungskosten für die Autobahnbeleuchtung im Jahr fast 100 Millionen Mark betragen. Leber geht davon aus, daß es in Deutschland bald 4000 Kilometer Autobahnen geben wird und daß die Beleuchtung eines Kilometers Autobahn im Jahr 25 000 Mark kostet.

Der Verkehrsminister hat sich damit zum erstenmal offiziell gegen die Forderung des HUK-Verbandes (Haftpflicht-, Unfall- und Kraftverkehrsversicherer) ausgesprochen. Der Verband fordert die Autobahnbeleuchtung schon seit geraumer Zeit und hat auch bereits Vorschläge gemacht. Die Versicherungen haben mit ihren Vorschlägen (und sie geben es auch zu) zunächst ihren eigenen Vorteil im Auge. Nach ihrer Rechnung würde eine Beleuchtung der Autobahnen die Unfallrate beträchtlich senken: 50 Prozent weniger Unfälle während der Nachtzeit.

Wie gefährlich die Dunkelheit gerade auf den Autobahnen ist, beweist, daß sich nachts etwa 50 Prozent mehr Unfälle ereignen als während des Tages, obwohl in der Regel nachts weniger Fahrzeuge fahren. Stark ins Gewicht fallen dabei Auffahrunfälle, die sich während der Dunkelheit weitaus häufiger ereignen als am Tage. Das hat seinen Grund.

Auf der Autobahn fahren in der Nacht fast alle Fahrer zu schnell. Wegen des mitfließenden Verkehrs und des Gegenverkehrs fährt man heute fast nur noch mit Abblendlicht, aufgeblendet würde man andere Autofahrer gefährden.

Das Abblendlicht reicht nun aber nicht weiter als 30 bis 35 Meter. Nach der Richtlinie des Gesetzgebers gilt aber der Grundsatz, daß die Geschwindigkeit in Stundenkilometern nicht höher sein darf als die Sichtweite in Metern. Dafür aber wurden Autobahnen nicht gebaut.

Wenn schon mit Millionenaufwand Straßen für schnelles Fahren gebaut werden, dann sollte man zumindest auch die technischen Voraussetzungen dafür erfüllen. Also ist die Forderung nach der Beleuchtung der Autobahnen nur logisch. Hinzu kommt, daß sich weniger Unfälle ereignen würden, mithin auch weniger Menschen ihr Leben auf den Straßen lassen müßten.

Der sinnvollen Lösung Autobahnbeleuchtung stehen die hohen Ausgaben entgegen, die im Verkehrsministerium offensichtlich das ganze Projekt zu Fall bringen. Die Installation einer Autobahnbeleuchtung würde aber kaum mehr als drei Prozent der gesamten Baukosten für die Autobahn erreichen. Die Unterhaltungskosten für Beleuchtung eines Kilometers Autobahn betragen nach gegenwärtigen Berechnungen im Jahr zwischen 20 000 und 25 000 Mark. Die Elektroindustrie hat sich bisher mit solchen Plänen noch nicht befaßt. Wahrscheinlich geht’s auch billiger.

Rolf Diekhof