Im German Food Centre in Londons Westend soll britischen Hausfrauen deutsches Sauerkraut schmackhaft gemacht werden. Doch das Kraut behagt den Engländerinnen nicht, die Zubereitung ist ihnen zu kompliziert. „Zwanzig Minuten Kochzeit?“ fragen sie entsetzt, „kann man’s nicht roh essen?“

Fertigkost und alle anderen Nahrungsmittel, die Küchenarbeit ersparen, haben in den letzten Jahren in Großbritannien einen ungeahnten Aufschwung genommen. Einen Vergleich mit England bestehen bestenfalls noch die ausgesprochen „reichen“ Länder wie die USA oder die skandinavischen Staaten.

Während der Verbrauch an Grundnahrungsmitteln, wie Fisch und Mehl, stagniert, weisen Fischgerichte und Backwaren erhebliche Steigerungsraten auf. Die stärksten Zunahmen verzeichneten Tiefkühlkost, Eiskrem und Süßwaren. Es folgten Dosenkonserven und Fertigsuppen.

Zudem hat sich in England die für alle Industrieländer typische Entwicklung zu hektischen Neugründungen von Supermärkten gelegt. Mit einem Monatsdurchschnitt von 179 Neugründungen bei einer Gesamtzahl von 3000 Märkten ist 1967 die britische Zuwachsrate zum erstenmal zurückgegangen: Der Monatsdurchschnitt im Jahr 1966 lag noch bei 193 Neugründungen. So ist anzunehmen, daß die rund 100 000 kleineren Läden in England ihre Position halten werden.

Anders ist es dagegen in Deutschland, wo es 1967 wiederum einen kräftigen Zuwachs von Selbstbedienungsläden gab. Es gibt jetzt mehr als 72 000 SB-Geschäfte in der Bundesrepublik. Den britischen Hausfrauen scheinen dagegen ihre 25 000 SB-Geschäfte zu genügen.

Die britische Hausfrau läßt sich wenig durch Warenfülle beeindrucken. Auch das raffinierte Spiel von Licht, Raum und Angebot verführt sie kaum zum Einkauf. Sie folgt treu und brav ihrem Einkaufszettel und den väterlich vorgebrachten Ratschlägen der Männer in den IV-Spots.

Darüber befragt, was ihnen an Supermärkten besonders attraktiv erscheint, nannten 56 Prozent aller Hausfrauen: Frische und erstklassige Qualität sowie günstiger Preis der Waren.

Eine ähnliche Befragung in den USA brachte diese Antwort nur 49mal in 100 Fällen. Dafür wurde aber 24mal Bequemlichkeit beim Einkauf und 16mal freundliche Kaufatmosphäre genannt, während in Großbritannien 17 Prozent für die Bequemlichkeit und nur 11 Prozent für freundliche Kaufatmosphäre stimmten. Und in 16 von 100 Fällen nannten britische Hausfrauen es vorteilhaft, aus einem breiten und tiefen Sortiment auswählen zu können; die Amerikanerin interessierte sich dafür nur in 11 Prozent aller Fälle. ako