Der Verleih sagt: Die Revolution entläßt ihr erstes Filmkind. Die außerparlamentarische Opposition könnte sagen: Das bürgerliche Kino will sich mit pseudo-revolutionärem Schick interessant machen. Die Kinobesucher werden sagen: Wir haben es gewußt, bei der außerparlamentarischen Opposition geht es zu Hause unaufgeräumt und locker zu, die lassen sich die Haare wachsen und haben nur ihre Mädchen im Kopf. George Moorse sagt: Mein Film „Liebe und so weiter“ erklärt, was ich über die Ereignisse in Deutschland im Frühjahr 1968 denke.

Schon in seinem Film „Der Griller“ hat George Moorse versucht, Szenen aus dem Leben der jungen Leute zu stellen, die nicht mehr mitspielen. Der Hähnchenbrater Franz Kaffer ging widerwillig einem tristen Job nach, hatte in seinem Zimmer nichts weiter als eine Matratze und eine Stereoanlage und schluckte Pillen, um etwas von seinen Nächten zu haben. Es tauchten zwei Mädchen in Franz Kaffers Bude auf, dann ein Typ, der Franz Kaffer die Pillen besorgte, schließlich ein schrulliger Kriminalbeamter, der wissen wollte, wie Franz Kaffer an die Pillen kam. Den Kriminalbeamten erwischte es am Ende. Der Film warb um Verständnis für Franz Kaffer, die Mädchen, den Typ und den Kriminalbeamten. Das ging schief. Es geht meistens schief, wenn sich Filmemacher Hähnchenbrater erfinden, um die Hähnchenbrater zu verteidigen. Falschen Vorstellungen ist durch ihre bloße Reproduktion nicht beizukommen.

Auch „Liebe und so weiter“ ist ein Film, der sich darin erschöpft, falsche oder pauschale oder vage Vorstellungen zu inszenieren.

Der Chemiestudent Rob, der in seinem Fach ziemlich gut ist, seine Haare noch leidlich kurz trägt und an seiner Doktorarbeit sitzt, teilt eine Bude mit Sigi und Ben, die vor sich hingammeln, von Kuba reden, Posters aufgehängt haben, zu Demonstrationen gehen und die Liebe leicht nehmen. Rob nimmt die Liebe ernst, vor allem als er Nina trifft, ein Mädchen aus Irland, das Cello spielt und auf den homosexuellen Komponisten Donald hört. Rob und Nina kommen sich näher. Rob hat Ärger mit seinem Professor, der Rob in erster Linie als Hausgehilfen schätzt, außerdem hat Rob Ärger mit Stephan, dem er achthundert Mark schuldet. Stephan handelt mit LSD. Rob soll bezahlen oder LSD herstellen. Ben versucht Rob für politische Aktionen zu gewinnen. Aber Rob hält nichts von den politischen Aktionen, die Ben und seine Freunde unternehmen. Nina verläßt München, um mit Donald ein Konzert in Prag zu geben. Ben wird bei einer Demonstration verhaftet. Sigi zeigt sich selber an, um die Gefängnisse zu füllen.

Eingelassen in diese Geschichte sind zahlreiche Nummern.

Sigi und Ben lesen sich Revolutions-Literatur vor: Die jahrtausendlange Unterdrückung des Trieblebens hat erst den massenpsychologischen Boden geschaffen, Autoritätsangst, Hörigkeit und unglaubliche Bescheidenheit auf der einen, sadistische Brutalität auf der anderen Seite zu produzieren, auf deren Basis sich eine zweihundert Jahre alte kapitalistische Profitwirtschaft ausbilden und erhalten konnte.

Sigi und Ben rezitieren Sprüche: Wer zweimal mit derselben pennt, gehört schon zum Establishment.