Von Ingrid Neumann

Die große Publicity ist nicht sein Metier. Daß Werner Krüger zwar zu den wichtigen, aber keineswegs zu den prominenten Vertretern des großen Kapitals gehört, entspricht ganz seiner eigenen Auffassung vom Berufsbild eines Bankiers.

„Ich bevorzuge grundsätzlich die stillere Tour“; sagte der Hausherr in der Düsseldorfer Hauptverwaltung der Dresdner Bank und betont nachdrücklich, daß die Arbeit eines Bankmannes im Stillen stattzufinden habe. In der Öffentlichkeit zu erscheinen ist ihm – im Gegensatz zu einigen seiner Berufskollegen – kein Bedürfnis, und fast wie ein Bankgeheimnis hütet er auch seine eigene Person, die die wichtigsten Entscheidungen über die Geschicke großer Unternehmen im Rhein-Ruhr-Gebiet zu treffen hat. „Ich habe keine Vorstellung von der Bedeutung meiner eigenen Person“, erklärt der imposante Sechziger, für den das persönliche Understatement keine Pose ist und der den Charme des erfolgreichen Mannes unaufdringlich zu tragen weiß.

Werner Krüger, der von der Pike auf das Bankfach gelernt und bereits als sechzehnjähriger Lehrling bei einer Rechtsvorgängerin der Dresdner Bank angeheuert hatte, war nicht von ungefähr dabei, als zu Beginn des Jahres 1967 über die Finanzschwierigkeiten im Hause Krupp verhandelt wurde. Er war es auch, der für seine Bank als Großaktionär der Gelsenkirchener Bergwerks-AG (GBAG) seinerzeit an den Bonner Verhandlungstisch gebeten wurde, um über einen Verkauf der GBAG-Aktien an die Veba zu sprechen.

Gerade so spektakuläre Engagements brachten es indessen mit sich, daß der Name Krüger in der breiten Öffentlichkeit bekannt wurde. Das mißfiel ihm durchaus. Er liest Zeitungen lieber als daß er drin steht.

Allerdings war auch der Auftritt des Düsseldorfer Bankiers vor der Wirtschaftspresse – der er sich wiederstrebend, aber freiwillig stellte, nachdem im vergangenen Jahr die GBAG-Veba-Transaktion von Bonner Politikern torpediert worden und die Großbank unversehens in die Schußlinie geraten war – eine respektable Leistung. Der gewitzte Geldmann – zu dessen Stärken es gehört, das Bekenntnis, ein „Freund der völligen Wahrheit zu. sein“, überzeugend an den Mann zu bringen – weiß auch das Schwarzer-Peter-Spiel geschickt zu spielen. Eher als schlauer Fuchs denn als kühl distanzierte Graue Eminenz hält er die ihm anvertrauten Fäden in der Hand, selbst die Kreditwürdigkeit in Person, verschwiegen und solide.

Es ist kein Zufall, daß Werner Krüger, der ein Mann der Praxis ist, der sich seine Vorstandswürde in allen Sparten des Bankgeschäftes und an nahezu allen wichtigen Plätzen des Rhein-Ruhr-Geschäftes erworben hat, ein vielgebetener Gast in Aufsichtsrats- und Beiratssitzungen größter und kleinerer Unternehmen ist. 1936 kam der gebürtige Potsdamer nach Berliner Lehrjahren in die Rhein-Metropole. Dann kamen die Wanderjahre als Direktor diverser Filialen vor allem im Revier.