Von Rolf Diekhof

Die einen versuchen es mit Elefanten, die anderen verlegen sich auf „Tweed and Beat“. Die Expansionslust drängt die großen deutschen Händler auf abgelegene Märkte. Der Handel mit allerlei exotischem Getier floriert bei Karstadt schon seit geraumer Zeit. Der Elefant, frei Haus zum Spottpreis von 22 500 Mark, ist nur die Krone im neuen Haustierangebot.

„Tweed and Beat“ dagegen verschickt in diesem Winter der Otto-Versand zum erstenmal. Gewissermaßen eine Pioniertat im deutschen Versandhandel. Bislang hatte es noch kein Versender gewagt, sich von der bürgerlichen Stammkundschaft zu trennen. Otto wagt’s mit einem Katalog „nur“ für die jungen Leute zwischen 15 und 27 Jahren. Mit der Post kommt die junge Mode „ganz neu, ganz heiß, ganz dufte“ auch in das entlegenste Kaff.

Der Vorstoß auf den jungen Markt segelt freilich nicht unter der brav-bürgerlichen Otto-Flagge. Hermes-Post-Shop haben die Hamburger Versender ihren jüngsten Ableger getauft. Der Otto bleibt ebenso versteckt wie der Versand. Auch die Bezeichnung Katalog gibt es nicht, dafür ein knallbuntes Post-Shop-Magazin. Die Jugend ist eben eigenwillig. Man muß ihren Stil kopieren, wenn man mit ihr Geschäfte machen will. Man darf sie auch nicht gleich mit der Nase darauf stoßen, daß sie sich einer geradezu klassischen kleinbürgerlichen Einkaufsform bedienen soll. Das weiß man bei Otto.

Man weiß noch mehr. Zum Beispiel, daß der junge Markt zu einer Milliarden-Pfründe geworden ist. Doch nicht für die Versender. Bislang schöpften noch andere den Rahm ab. Boutiquen, Shops und Bazare lockten mit Miniröcken, Pullis in Schockfarben, Uhren im Pop-Stil, Kettengürtel und vielem anderem, den Teenagern das Geld aus der Tasche. Wieviel Geld aber alljährlich durch die Hände der jungen Leute geht, ist unbekannt. Sicher ist nur, daß es Milliarden sind.

Die Schätzungen über das Volumen des jungen Marktes fallen recht unterschiedlich aus. Ein Frankfurter Institut hat ermittelt, daß allein die Teenager im vergangenen Jahr über acht Milliarden Mark verfügten. Davon wurden 2,3 Milliarden gespart und 3,2 Milliarden ausgegeben. Den Rest lieferten die Teenager zu Hause ab.

Die ältere und sicherlich auch beträchtlich reichere Gruppe der 17- bis 24jährigen soll gar für die Verwirklichung ihrer Konsumwünsche alljährlich 20 bis 24 Milliarden Mark ausgeben.