Von Ben Witter

Ich schritt die Auffahrt zum Haus des Hamburger „Merchant Bankers“, Vorsitzenden des Vorstandes des Bundesverbandes des Privaten Bankgewerbes und Vizepräsidenten des Deutschen Industrie- und Handelstages, Dr. h. c. Alwin Münchmeyer, hinauf. Ein Verkehrszeichen bedeutet, daß die Geschwindigkeit auf zwanzig Kilometer begrenzt ist. Rhododendronhecken säumen die erste Hälfte der Auffahrt ein; sie sind mindestens drei Meter hoch. Danach hatte ich einen freien Blick auf sanft geschwungene Rasenflächen mit Tannen. Die Luft war lauwarm.

Ich hatte mir Alwin Münchmeyers Haus größer vorgestellt.

Hinter mir hielt ein Wagen. Alwin Münchmeyer stieg aus. Der Fahrer reichte ihm zwei schwarze Aktentaschen. Alwin Münchmeyer sagte: „Ich habe gerade an einer Rundfunksendung teilgenommen, es ging um Währungsfragen, doch ich fürchte, höchstens zehn Prozent der Hörer haben das Problem erfaßt.“

Über dem Kamin des Wohnzimmers hing ein Seestück des dänischen Marinemalers Melby in den Farben Blau, Grün und Weiß. Unsere Blicke gingen von dem Bild auf die Terrasse. Ich sagte: „Die gleichen Farben liegen vor uns, jetzt müßte ein Schiff auf der Elbe seewärts gehen...“ Kurz darauf kam eins.

Mir fiel Alwin Münchmeyers englischer Kragen auf, und ich sagte: „Bankiers sind bei uns immer noch geheimnisumwittert ...“

Alwin Münchmeyer zündete sich eine leichte Zigarre mit Mundstück an und antwortete: „Ihr Image ist transparent, und es ist bestimmt keine Arroganz, wenn sie sich der Öffentlichkeit nur selten stellen; sie haben einfach das Gefühl: Ich bin zwar ein guter Bankmann, aber nicht redegewandt genug, um mich in Diskussionen gut zu schlagen. Besonders schwer ist es, sie vor die Fernsehkamera zu kriegen, das liegt an ihrer dünnen Haut, und sie fürchten Kritik. Aber welchem Unternehmer geht es nicht so! Die Kritik dringt heutzutage ja allzuleicht ins Persönliche...“ Er streckte seine Beine aus, betrachtete die Schuhspitzen und fuhr fort: „Wenn die Leute nicht dabei sind, mache ich mich nicht über sie lustig, wenn sie aber dabei sind, dann ja ...“