Wie das Ungeheuer von Loch Ness, so hat das Gespenst von der hinterhältigen politischen Konspiration ein zähes Leben. Mal hieß es: „Die Verschwörung der Weisen von Zion“, ein andermal: „Die Hamburger Kumpanei“ und schließlich: „Die Verschwörung der deutschen Linksintellektuellen“.

Jetzt hat Egon Monk, der jüngste und junge Intendant des Hamburger Schauspielhauses, eine neue, gleichfalls törichte Version erfunden. Mit theatralischer Phantasie – die er auf der Bühne vermissen läßt – zeichnet er (in einem Interview mit der „Frankfurter Rundschau“) die Hexenküche einer bösartigen Kritikerverschwörung. Ihn, den erklärten Sozialisten, wolle man „so schnell wie möglich beseitigen“.

Wahrheit ist, daß der Intendant Monk als Mitautor und Regisseur („Über den Gehorsam“) und als Regisseur („Die Räuber“) dem Publikum – im Theater und am Bildschirm – zwei handfeste Pleiten präsentiert hat. Kein namhafter deutscher Kritiker, der ihm das nicht bescheinigt hätte.

Schluß also mit dem Geplärr von den bösen konspirativen Kräften! Monk, der politisch engagierte Theaterleiter, ist kein politischer Fall. In der Rolle des Märtyrers überzeugt er nicht, eher schon in der des unsicheren Handwerkers. Die politische Klagemauer, die er sich selber gezimmert hat, ist Kulisse – und wackelt. H. G.