Es müsse alles ganz anders werden, meinte René Klopfenstein, als er im vergangenen Jahr die Leitung des „Septembre Musical de Montreux“ übernahm. Der vierzigjährige künstlerische Direktor bei Philips in Paris war die Hoffnung derjenigen, die auf der Generalversammlung des Office du Tourisme von Montreux ein „rajeunissement de certains de nos organes“ gefordert, aber eine Änderung der Struktur ihrer Musikfestspiele gemeint hatten.

Kann man 1968 noch ein etabliertes Festival ändern? Eines gar, bei dem letzten Endes Stil und Charakter der Hotels die Gäste und damit auch das Programm bestimmen?

Der Dichter der Prospektprosa sagte es ganz deutlich: „Ein Aufenthalt im milden Klima der seenahen Lage von Montreux empfiehlt sich besonders für Patienten, deren Organismus auf äußere Reize ungünstig reagiert und starker Schonung bedarf.“

Das Publikum ist ein Patient, der geschont und vor äußeren Reizen bewahrt werden muß – das war es, was man in den letzten Jahren auch im Konzertsaal beachtete: Große Namen boten repräsentative Programme aus der großen Tradition. In der „Grande Salle du Pavillon“, zwischen denkmalpflegerisch restaurierten Plüsch- und Stuck-Hotels und der mit Kunst und Palmen bestandenen Uferpromenade, hielt man sich einen Rest von heiler Welt – 90 Prozent der gespielten Kompositionen entstanden vor 1914.

René Klopfenstein kam in seine erste Pressekonferenz mit Optimismus, großen Plänen und vielversprechenden Ankündigungen. Heute, ein Jahr danach, gesteht er: „Es ist verdammt schwer!“

Er ist langsam vorgegangen. Er beließ den Alten eine Menge Konfekt: Er holte das Radio-Symphonie-Orchester Berlin und die New Yorker Philharmoniker, das Kammerorchester Lausanne und das englische Halle-Orchester, Maazel, Stokowski, Bernstein, Rossi, Barbirolli, die Solisten Ferras, Kempff, Rampal, Malcolm, André, Gulda – sie spielten die großen Brocken aus Klassik und Romantik, wie eh und je.

Er variierte vorsichtig, ließ bei Orgelabenden nicht nur Bachs Präludien, sondern auch ein Programm mit unbekannten Toccaten spielen, in Chorkonzerten nicht nur Bachs Johannes-Passion, sondern auch Cimarosas Requiem und Madrigale von Gabrieli und Monteverdi singen.