Rektoren sprechen einem Kultusminister ihr Mißtrauen aus und im übrigen von einer „ernsten Situation“; Sprecher der parlamentarischen Opposition werten das als eine Aufforderung an den Minister, seinen Rücktritt anzubieten. Professoren reden von „äußerstem Widerstand“; Parteipolitiker schließen daraus, es drohe eine Massenflucht akademischer Lehrer.

Was ist passiert? Was treibt deutsche Professoren auf die Barrikaden, läßt sie alle akademische Zurückhaltung beiseite schieben, eine Einladung des Ministers kaltlächelnd absagen und um eine Unterredung beim Landesvater nachsuchen? Ist der Notstand ausgebrochen, ein Diktator entlarvt worden?

Die Lage ist auf jeden Fall ernst: Der hessische Kultusminister Professor Ernst Schütte hat einen Referentenentwurf für ein neues Hochschulgesetz vorgestellt, das den Studenten im satzunggebenden Konzil ein Drittel der Stimmen zugestehen will. Er hat überdies den Entwurf an die Öffentlichkeit gebracht, bevor darüber beraten worden war.

Nicht im Traum vermuteten die Rektoren, „daß der Kultusminister den Entwurf von vier Frankfurter Professoren, die mit ihrer Ansicht im Lehrkörper weitgehend allein stehen, zur Grundlage eines Hochschulgesetzes machen würde, das allen hessischen Hochschulen aufgezwungen werden soll“.

Die vier Frankfurter Professoren heißen Denninger, von Friedeburg, Habermas und Wiethölter – und es sieht in der Tat so aus, als seien sie ziemlich allein. Wer so optimistisch war, jenes Viertel deutscher Hochschullehrer, die das reaktionäre Marburger Manifest unterschrieben hatten, als eben nur ein Viertel anzusehen, hat sich gründlich getäuscht.

Mit vereinten Kräften sägen nun die Hochschullehrer und die hessischen Oppositionsparteien CDU und FDP am Stuhl des SPD-Ministers. Die einen, weil sie lieber neue Unbequemlichkeiten auf sich nehmen als alte Machtpositionen aufgeben wollen; die anderen, weil ihnen die mutige Politik dieses Mannes unheimlich ist.

Wie seinem Berliner Kollegen Werner Stein geben sie Ernst Schütte den Titel „Mitläufer des SDS“ und meinen, ihm Ehrenrühriges nachsagen zu können: er belohne die „rechtswidrigen Aktionen radikaler Studenten“. Nur: die Forderung nach der Drittelparität stammt nicht allein vom SDS. Und es ist weder dumm noch ehrenrührig, sie zwar nicht für der Weisheit allerletzten Schluß zu halten, aber für eine durchaus legitime Möglichkeit, alle Mitglieder der Hochschule an allgemeinen Entscheidungen und Wahlen zu beteiligen. Nicht die Drittelparität ist die Gretchenfrage der Hochschulreform, wohl aber die Frage, wer mitbestimmen soll und wie.