Sowjetischen Wissenschaftlern glückte eine neue Pioniertat im Weltraum: Am 15. September starteten sie den Raumflugkörper „Sonde 5“ und schickten ihn um den Mond. Mit „zweiter kosmischer Geschwindigkeit“ (11,2 km pro Sek.) kehrte das Projektil sieben Tage später zur Erde zurück und landete – wie geplant – im Indischen Ozean.

Mit diesem Versuch gelang den Sowjets die „wichtigste Demonstration aller Fähigkeiten, die für Operationen um die Erde und darüber hinaus zum Mond und zu anderen Planeten notwendig sind“, kommentierte der scheidende Direktor der NASA, James E. Webb, Mondumkreisung und Wasserung von „Sonde 5“.

In Amerika weckte die TASS-Meldung von der geglückten Rückkehr Erinnerungen an den Sputnik-Schock vom 4. Oktober 1957. Denn bislang hatten sich die Amerikaner im Weltraumrennen vorn geglaubt. Folgende Fakten schienen dafür zu sprechen:

  • In den ersten zehn Jahren wurden 160 Milliarden DM in das US-Raumprogramm gepumpt, die Russen dagegen wendeten „nur“ 140 Milliarden DM auf.
  • Amerikanische Astronauten verbrachten 1994 Stunden im Weltraum; die Sowjets kamen auf 533 Stunden.
  • Mit sechzehn bemannten Weltraum-Expeditionen überflügelten die USA die zwölf der UdSSR.

Dann aber verdrängten innenpolitische Probleme und der Vietnamkrieg den Weltraumenthusiasmus der Amerikaner:

  • Zum erstenmal wurde in diesem Jahr der ohnehin knapp veranschlagte Etat der Nationalen Raumfahrtsbehörde NASA vom Kongreß um über eine Milliarde auf 16 Milliarden DM gekürzt.
  • Der Brand der Apollo-Kapsel am 28. Januar 1967 auf Kap Kennedy, bei dem drei Astronauten den Tod fanden, verzögerte das Programm um etwa 20 Monate.
  • NASA-Direktor Webb trat aus Protest gegen die Gleichgültigkeit des Kongresses zurück.

Ein bemannter Mondflug der Sowjets könnte schon im nächsten Jahr stattfinden. Aber die Amerikaner geben das Rennen noch nicht auf. Sollte der am 11. Oktober vorgesehene Flug eines Apollo-Raumschiffes mit drei Astronauten um die Erde planmäßig verlaufen, könnte der im Dezember vorgesehene bemannte Apollo-8-Flug, der erstmals mit der starken Saturn-5-Rakete erfolgen soll, zu einem Mondumflug ausgedehnt werden. Das Rennen zum Mond ist noch offen.