FÜR Aufmerksame (auch Dramaturgen!), Erwachsene und... und...

Johannes Schenk: „Fisch aus Holz“, Spiel in 11 Bildern, gezeichnet von Natascha Ungeheuer; Das Querbuch III, Verlag Neue Rabenpresse, Berlin; numerierte und signierte Ausgabe, 36 S., 12,– DM.

ES ENTHÄLT erstaunliche Begebenheiten um einen hölzernen Fisch, der eigentlich blau ist und Schuppe für Schuppe unters Volk kommen soll: Die Wahrheit – in Form des blauen Fisches – ist aus Holz. Die vermeintliche Idylle entpuppt sich als messerscharfe Anklage. Das Demonstrationsobjekt, der Fisch, Hoffnung, Wunder und Mahlzeit der freien Welt, stellt sich selber in Frage. Soziale Anklage, nicht aus dem Glashaus, sondern aus einer Kreuzberger Gemeinschaftswohnung, wo schon das tägliche Mittagbrot Probleme aufwirft. Durch die elf Bilder führt ein Erklärer, der Bild und Situation kommentiert oder einleitet; er liefert Einlagen und Adressen an das Publikum.

ES GEFÄLLT, weil dieses moderne (Lehr-)Stück im Bänkelstil (von Autor und weiblichem Kompagnon jahrelang in Worpsweder Kneipen vorgeführt) in der Lage ist, einen politischen Standort zu formulieren und zu verdichten. Es scheint zwar wie Zufall, daß diese szenischen Gedichte – wenn man das Spiel einmal so nennen darf – der politischen Argumentation dienen, doch zufälliger Natur ist das Resultat keineswegs. Man respektiere um so mehr, daß der unter Kommuneleuten lebende Rebell Johannes Schenk seinen politischen Zweck in eine so dichterische Form zu bringen verstand.

Elisa Schwennicke