Unser Kritiker sah

ARTHUR ARONYMUS UND SEINE VÄTER

Aus meines geliebten Vaters Kinderjahren

Von Else Lasker-Schüler

Schauspielhaus in Wuppertal

Arthur Aronymus ist elf Jahre alt und wird (wie schon bei der Uraufführung 1936 in Zürich) als Hosenrolle von einer jungen Schauspielerin gegeben. Else Lasker-Schüler blickt in diesem ihrem zweiten Bühnenwerk zurück bis zu ihrem Urgroßvater mütterlicherseits, der Landesrabbiner von Rheinland und Westfalen war. Ihr Vater hat in dem Stück 22 Geschwister, wodurch das Personenverzeichnis auf 62 Namen anschwillt. An Handlung geschieht fast nichts. Dramatische Kunst bedeutet für Else Lasker-Schüler „schreitende Lyrik“. Mit einem Rückblick ins Biedermeier schreitet die Autorin den Lebensraum ihrer Herkunft aus. Der Akzent liegt weniger auf Arthur Aronymus als auf seinen Vätern.

Als ein Patriarch lebt in dem Dorf Gaesecke der jüdische Gutsbesitzer Moritz Schüler, ein reicher Mann. Seine Frau, die Mutter der 23 Kinder, ist die Tochter des Landesrabbiners Uriel, der in Paderborn mit dem katholischen Bischof gut Freund ist. Sie legen beide den antisemitischen Umtrieben keine Bedeutung bei, durch die sich hingegen jüdische Großkaufleute ebenso geängstigt fühlen wie die Familie Schüler in Gaesecke. Eine der Töchter wird von aufflammendem mittelalterlichen Hexenwahn bedroht. Christliche Spottlieder belästigen die Juden, Steine fliegen durch Fensterscheiben. Im letzten Bild, dem eindrucksstärksten, ist der katholische Bischof von Paderborn Gast im Hause Moritz Schülers, während dieser, ein „Fürst“ der dörflichen Judenheit, den ersten Abend des Passahfestes in familiär-zeremonieller Weise feiert.