Von Anatol Johansen

Vor eineinhalb Jahren beendete eine Explosion hoch in der Erdatmosphäre Europas ersten Versuch, einen Gemeinschafts-Satelliten verschiedener Staaten in eine Erdumlaufbahn zu bringen. Die dritte Stufe der Trägerrakete explodierte, und der ESRO-II-Satellit stürzte in den Südpazifik.

Erst ein Jahr später, am 17. Mai 1968, gelang der Europäischen Weltraum-Forschungs-Organisation, der ESRO (European Space Research Organization), in der neben neun anderen europäischen Staaten auch die Bundesrepublik Mitglied ist, der große Wurf. Der Satellit ESRO-Il-b gelangte auf seine Erdumlaufbahn, hat unseren Planeten seither viele tausend Male umkreist und unter anderem Untersuchungen über die kosmische Strahlung und die Röntgenstrahlung der Sonne angestellt.

In der vergangenen Woche hat sich nun dem ersten immer noch kreisenden Satelliten Europas, der nach seinem erfolgreichen Start in „Iris“ umgetauft worden war, ein zweiter gesamteuropäischer Satellit hinzugesellt, „Aurorae“, zuvor ESRO-I genannt. Aurora wurde am Donnerstag, dem 3. Oktober 1968, um 20.49 Uhr deutscher Zeit (21.49 MEZ) auf einer 21 Meter langen, vierstufigen amerikanischen Feststoffrakete vom Typ „Scout“ in Kalifornien von der NASA in das All gefeuert.

Aurorae ist ein wahrhaft intereuropäisches Gerät. Die acht verschiedenen wissenschaftlichen Experimente, die der Satellit im Weltall durchführt und die sich erstens mit der Messung von Partikelstrahlungen im Weltraum, zweitens mit Untersuchungen über die Natur des Nordlichts und drittens mit der Bestimmung der Elektronen- und Ionendichte befassen, sind von Universitäten und Forschungsinstituten in England, Schweden, Norwegen und Dänemark ersonnen und erarbeitet worden. Am Bau des Satelliten, der unter der Leitung einer Pariser Firma stand, arbeiteten auch schweizerische und holländische Unternehmen.

Über seine wissenschaftliche Bedeutung hinaus ist der neue europäische Raumfahrterfolg auch generell im Interesse der gesamteuropäischen Raumfahrtforschung zu begrüßen. Denn zur Zeit wird die Raumfahrt Europas wieder einmal von einer ihrer periodisch wiederkehrenden Krisen geschüttelt.

Auch der Erfolg von Aurora kann nicht darüber hinwegtäuschen, daß die ESRO zumindest einen der von ihr geplanten Satelliten streichen mußte.