DIE ZEIT

Sport-Spaltung

In Mexico City ist eine alte Bonner Illusion zu Grabe getragen worden: der Glaube, daß Realitäten durch standhaftes Leugnen aus der Welt gezaubert werden, könnten.

Roter Bannstrahl gegen Ketzer

Der Rote Platz in Moskau ist so gewaltig in seiner Ausdehnung, daß er für den Aufmarsch von fünf Divisionen Raum böte. Die kleine Gruppe von sieben Menschen, die am 25.

Lieber leise

Lübkes Entschluß, am 30. Juni nächsten Jahres sein Amt niederzulegen, inspirierte Politiker und Journalisten dazu, diesen Schritt freundlich und dankbar zu würdigen.

Putsch-Reigen

Jahrelang hatte es – und dies nicht nur in der Südamerika-Abteilung des Washingtoner Außenministeriums – geheißen, der lateinamerikanische Subkontinent sei unaufhaltsam auf dem Wege zur Demokratie.

Klare Worte

Ende August hatte es hierzulande manche bangen Zweifel gegeben..............................................................

ZEITSPIEGEL

„Keine Anzeichen von Völkermord“ hat der UN-Beobachter Nils Gussing während einer einwöchigen Informationsreise in den von nigerianischen Bundestruppen eroberten Gebieten Biafras festgestellt.

„Der Priester ist kein Befehlsempfänger“

Mann Gottes oder Herr von Welt? Schwer zu sagen, weil schwer zu sehen, ob der schlanke Dreißiger im grauen Flanell mit rotkarierter Krawatte der Manager eines mittleren Ruhrbetriebes oder der Vikar einer katholischen Reviergemeinde ist.

Stoßtruppführer gegen Rom

Im September forderten deutsche Katholiken mit einer Plakataktion in Essen: „Weg mit Kardinal Alfrink und seinesgleichen aus dem Bischofsamt!“ In der vergangenen Woche riefen sie mit Flugblättern, die auch in Österreich, Frankreich und der Schweiz verteilt wurden, zu einer Gebetsaktion „um den Heiligen Geist für unsere Brudernation Holland“ auf.

Washington: Prediger einer militanten Reaktion

Wenn die Amerikaner heute an die Wahlurnen gingen, dann würden auf den Republikaner Richard Nixon und auf den Führer der Unabhängigen Amerikanischen Partei, George Wallace, zusammengezählt rund 6,5 Prozent aller Stimmen entfallen.

London: Trommler einer neuen Rechten

Niemand unter den Londoner Auguren wagt eine Voraussage darüber, ob bei den nächsten Wahlen die Macht von Wilsons Labour Party an die Konservativen übergeht.

Alle Wege über Moskau?

Der Winter in Böhmen wird hart. Was Staatspräsident Svoboda noch am 27. August versprach, "die allmähliche Verwirklichung eines vollständigen Truppenabzugs", ist für die Tschechen und Slowaken mittlerweile in ebenso weite Ferne gerückt wie für die Deutschen in der DDR und für Ungarn und Polen.

Nachfolge des Generals

Wer den Baum der französischen Innenpolitik ein halbes Jahr nicht gesehen hat, muß den Eindruck haben, daß im Herbst ganz andere Früchte auf den Zweigen wachsen, als die Blüten im Frühjahr erwarten ließen.

Des Kremls Zange

War der sowjetische Einmarsch in der Tschechoslowakei der Auftakt zu einer neuen Phase Moskauer Expansionspolitik? Noch gibt es keine westliche Regierung, die davon ausgeht.

Der Schatten Salazars

Seit dem 29. September hat Portugal eine neue Regierung mit einem neuen Regierungschef. Neue Mühlen, so will das Sprichwort wissen, mahlen gut.

Verordneter Kompetenz-Dschungel

Einziger Staatssekretär, und zwar für Vertriebene, Flüchtlinge und Kriegsbeschädigte, in der Landesregierung Baden-Württembergs ist der ehemalige Landtagsabgeordnete Josef Schwarz (jetzt CDU, früher BHE, Flüchtling aus dem Sudetenland).

Keine Lösung für Rhodesien

Das Rhodesien-Problem ist, auch nach dem jüngsten Treffen von Gibraltar so wenig gelöst wie vorher. Englands Premier Harold Wilson behandelte den Chef der weißen Minderheitsregierung und Rebellen gegen die britische Krone, Ian Smith aus Salisbury, mit allen Ehren; stolz tat er kund, es sei ihm gelungen, sich auf „die Wellenlänge“ des „geschickten Smith“ einzustellen.

Mondfahrt ohne Wiederkehr?

Wir sind wieder im Geschäft“ hieß es am vorigen Freitag bei der amerikanischen Raumfahrtbehörde, als sich herausstellte, daß der künstliche Mond Apollo 7.

Stromlinie in Bonner Amtsstuben

In den USA ist die Durchbruchsschlacht im Verteidigungsministerium geschlagen worden, in einem Ressort, das sich durch besondere Größe, Unübersichtlichkeit und Unwirtschaftlichkeit ausgezeichnet hatte.

Recht für rechts und links

Der SDS schimpft die deutschen Richter reaktionär; die APO redet von einem planmäßigen Einsatz der Justiz zur Unterdrückung jeglicher Opposition.

PANAMA: Arias mußte gehen

Elf Tage lang konnte Arnulfo Arias nach seiner Wahl als Staatspräsident von Panama amtieren – dann fegte ihn vorige Woche ein Putsch der 5000 Mann starken Nationalgarde hinweg.

VIETNAM: Putsch-Gerüchte

Saigon schwirrte wieder einmal voller Putschgerüchte. Die Wachen vor dem Präsidentenpalais wurden verstärkt; Armee und Polizei alarmiert.

Apollo 7: Schirras Schau

Das „ApoIlo“-Programm, letzte Etappe der Amerikaner auf dem Weg zum Mond, hat eine glanzvolle Premiere erlebt: Mitte der Woche befanden sich erstmals drei Astronauten – Walter Schirra (45), Donn Eisele (38) und Walter Cunningham (36) – im Raum.

Namen der Woche

Heinrich Lübke (74), Bundespräsident, kündigte auf seinem Geburtstagsempfangan, er werde am 30. Juni, ein Vierteljahr vor Endeseiner zweiten Amtsperiode, drei Monate vor der Bundestagswahl, zurücktreten.

Von ZEIT zu ZEIT

An seinem 74. Geburtstag kündigte Bundespräsident Heinrich Lübke zum 30. Juni nächsten Jahres seinen Rücktritt an. Vor dem Bundestag gab Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger eine Regierungserklärung zur Innen- und Europa-Politik ab.

Rätselraten um Kossygin

Die sowjetische Intervention in der ČSSR hat besonders die Nachbarstaaten des Warschauer-Pakt-Bereichs alarmiert. Als der sowjetische Ministerpräsident Kossygin vorige Woche überraschend und zunächst unter strenger Geheimhaltung in Finnland eintraf und mit Staatspräsident Kekkonen Hechte angelte, freilich auch über Politik sprach, da kursierte denn auch sogleich ein neues Krisengerücht: Der Kreml beanspruche die Stationierung von „Beobachtern“ in den westfinnischen Häfen und an der finnischschwedischen Grenze.

MEXICO68: Zweimal deutsches Silber

Am dritten Wettkampftag gab es nach einer Reihe von Enttäuschungen die beiden ersten Silbermedaillen für Deutschland: Der Leverkusener Gerhard Hennige wurde mit 49,0 Sekunden (Deutscher Rekord) Zweiter über 400 m Hürden, der Hallenser Lothar Milde belegte mit 63,8 m im Diskuswerfen den zweiten Platz.

Sowjets ziehen Truppen ab

Der tschechoslowakische Ministerpräsident Černik mußte sich am Wochenanfang erneut in die sowjetische Hauptstadt begeben, um dort „Probleme zu diskutieren, die sich aus den Moskauer Vereinbarungen ergeben“.

NAHOST: Friedens-Chancen

Vor der UN erklärte Außenminister Eban, Israel bestehe nicht unbedingt auf direkten Gesprächen mit den Arabern, sondern willige in eine Vermittlung durch den Nahost-Beauftragten Jarring ein.

November 1918: Wendemarke deutscher Geschichte (I) – Vor 50 Jahren fielen in Kiel die ersten Schüsse einer Revolution, die unvollendet blieb. Sie wurde von Unruhen ausgelöst, die bis heute als Trauma der Marine nachwirken: Als die Matrosen meuterten

„Damals, als schon alles so ziemlich verloren war, erschien ein Aufruf von Walther Rathenau und Richard Dehmel: Es sollen die Schwachen und Trägen und Kleinmütigen zu Hause bleiben, und den anderen, die noch Mut haben, soll das Feld überlassen werden.

Träume vom Sieg

Mexikos Olympiade der Kultur erdrückt den Interessenten fast durch die Fülle der Veranstaltungen. Unter den Ausstellungen bewegen den Betrachter die in kilometerlanger Front im Chapultepec-Park aufgestellten großformatigen Produktionen der sieben- bis dreizehnjährigen „Künstler“, die sich aus aller Welt an diesem Festival beteiligen, am stärksten.

Fernsehen:: Beginn in Mexiko

Mit Burnus und Schärpe, in leuchtenden Capes und zierlichen Röcken marschierten sie, die aus Italien und aus dem Tschad, marschierten Abebe und Dietrich, die Spaßmacher und fahnenschwingenden Nußknackermännchen, die ernsten Athleten mit dem Hut auf dem Herzen und die lustigen Bartträger, Flaneure und Photographierer.

Verlockung der Macht

Vor etwa zehn Monaten hat Julius Hay das Manuskript seines jüngsten Dramas „Der Großinquisitor“ fertiggestellt. Es kreist um die Frage, die darin ein Pilger dem titelgebenden Kardinal stellt: „Wie, wann, wo, mit welchen Worten, durch wessen Mund hat Gott dem Menschen erlaubt, andere Menschen zu beherrschen, sie voll und ganz in Besitz zu nehmen?“ Zwischen jenem Schlußpunkt und der Wiener Uraufführung im Theater in der Josefstadt vollzog sich die Tragödie der Tschechoslowakei.

Eingekerkert

Der Berliner „Festwochenklassiker vom Dienst“ war diesmal eine Nachgeburt, und dies in doppelter Bedeutung. Vor drei Jahren wollte Fritz Kortner „Macbeth“ mit Martin Held in der Titelrolle und Elisabeth Bergner als Lady inszenieren.

Ende einer Affäre: Monk oder das Regiment der 75 Tage

An dem Morgen, da der Aufsichtsrat des Hamburger Schauspielhauses tagte, um das Rücktrittsgesuch seines Intendanten anzunehmen, wartete die Morgenpost mit einem Nachfolger-Vorschlag auf: Sie nannte Harry Buckwitz, den ehemaligen Generalintendanten von Frankfurt, jenen Mann also, den Egon Monk um ein Haar in Frankfurt abgelöst hätte, wäre Hamburg damals nicht schneller gewesen.

Junge Bosse

Von Gleichberechtigung kann nicht die Rede sein – so klagte nicht eine Frau, sondern ein älterer Herr, Mitglied jenes Vereins unehelicher Väter, die sich zusammengerottet haben, um nicht weiterhin den schamlosen Forderungen der unehelichen Mütter wehrlos gegenüberzustehen.

Kinder des Liberalismus

Äußerlichkeiten, Visuelles, Details zunächst. Ich kam, ich sah, ich hörte: Es fiel mir ihre Anmut, ihre Wohlausgestattetheit, ihre provozierende Sorglosigkeit auf.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Die erste der beiden Aufnahmen ist dreizehn Jahre alt, ein Jahr vor Kleibers Tod wurde sie eingespielt. Sie stand immer weit über den fünf anderen des deutschen Repertoires.

Lustverzicht

Man trägt underground in dieser Saison. Mit Vorliebe oben ohne (Kopf). Obwohl die außerparlamentarischen Köpfchen ganz hübsch ausfallen können, im Schmuck der schulterlangen Haare.

Besuch beim alten PEN

Man hatte die Freunde nun schon seit ein paar Jahren nicht mehr gesehen – einmal war man krank, einmal war es einem zu weit nach New York, Bled, Abidjan, wo die ihre internationalen Kongresse hatten (8000 Schriftsteller aus 80 Ländern, vertreten durch 200).

ZEITMOSAIK

Die Hamburger Hochschule für Bildende Künste am Lerchenfeld gilt nicht umsonst als eine der fortschrittlichsten im bundesrepublikanischen Lande.

Kunstkalender

Alles, was in der Kinetik Rang und Namen hat, wurde für Berlin mobilisiert, sowohl die documenta-Kinetiker Alviani, Colombo, Demarco, Megert, Rickey, Gerstner, Graevenitz wie die Wegbereiter Calder und Duchamp, die einstige Zero-Gruppe und die Pariser „Groupe de recherche d’art visuel“, im ganzen 81 Objekte von 41 Kinetikern.

Die große Schau der Kunstkritik

Warum ist es so, daß diese Werke interessanter sind hinsichtlich dessen, was über sie gesagt wird, als hinsichtlich dessen, was sie eigentlich sind?“ Diese Frage, 1963 von Hilton Kramer auf einem Pop-art-Symposium in den USA formuliert, hat angesichts der documenta 4 neue Schärfe gewonnen.

FILMTIPS

„Paris gehört uns“, von Jacques Rivette. „Zwei oder drei Dinge, die ich von ihr weiß“, von Jean-Luc Godard. „Der Angriff der leichten Brigade“, von Tony Richardson.

Was soll Germanistik heute?

Um es gleich zu sagen: Zuständig für irgendwelche Vorschläge, für Antworten auf diese Frage bin ich nicht...................

+ Weitere Artikel anzeigen