DIE ZEIT

Im Wartestand

An dem Berliner Ableger der NPD hat Adolf von Thadden noch nie so recht seine Freude gehabt. Er war, auch von der Zahl her, nie mehr als ein vergrößerter Stammtisch.

Moskaus Daumenschraube

Vor dreißig Jahren, kurz nach der Unterzeichnung des Münchner Abkommens, schrieb ein sensibler amerikanischer Diplomat an das State Department: "Die Tschechoslowakei ist ein mitteleuropäischer Staat.

Friedens-Signale

Seit dem Beginn der „Eskalation“ vor drei Jahren trotzt der Krieg in Vietnam allen Friedensbemühungen, seit fünf Monaten bieten die Pariser Verhandlungen das Bild eines stummen Schattenspiels; seit drei Wochen nun ist Präsident Johnson bemüht, den vietnamesischen Teufelskreis zu durchbrechen.

Allzu optimistisch

Die Kommunalwahlen im Saarland, in Hessen und Baden-Württemberg haben keine Überraschungen gebracht. Nichts beweist dies besser als die Tatsache, daß Sprecher aller drei Bundestagsparteien und auch der Regierungssprecher in wohlgesetzten Worten kundtaten, sie seien zufrieden.

ZEITSPIEGEL

Valerian Sorin, Sowjetbotschafter in Paris, erhielt ein Telegramm der Schauspieler Simone Signoret, Yves Montand, Vanessa Redgrave, Alain Resnais und des Schriftstellers Jorge Semprun.

Ein Pfingstwunder?

Der Anfang ist gemacht, ein hoffnungsvoller Anfang: 416 Jahre nach dem Augsburger Religionsfrieden, zu Pfingsten 1971, werden sich Katholiken und Protestanten zu einem Kirchentag in Frankfurt treffen.

Genie, Glanz – und nun Jackie

Dies ist die schönste Feder, die Onassis sich an seinen Hut stecken konnte: Jackie Kennedy, Witwe des vor fünf Jahren ermordeten amerikanischen Präsidenten.

Die höchste Form der Hoffnung

Im vergangenen Monat ist in Paris Frau Paul Grosser nach schwerer Krankheit gestorben. Sie dürfte dem großen Publikum beiderseits des Rheins weithin unbekannt geblieben sein.

Europa gerät immer tiefer in die Sackgasse

In Rom hat sich in dieser Woche die Hoffnung zerschlagen, daß die Westeuropäer in absehbarer Zeit imstande sein könnten, eine organisatorische Form für eine engere politische Zusammenarbeit zu finden – mit oder ohne Frankreich.

Im Zeichen der Doppelgötzen

Noch ist der Wahlkampf offiziell nicht eröffnet. Die Geplänkel im Bundestag erschöpfen sich meist noch im Austausch liebenswürdig verpackter Bosheiten.

Besatzung besiegelt

In dem sowjetisch-tschechoslowakischen Stationierungsvertrag der letzten Woche hat sich die Sowjetunion auf unbestimmte Zeit das Recht gesichert, Menschen und Geräte in die Tschechoslowakei zu schicken, paß- und zollfrei, mit und ohne Uniform, mit und ohne militärischen Anstrich.

Vertrag mit Fußangeln

Verläßliche Verträge haben feste Fristen – und sei es die imaginäre von 99 Jahren. Im letzten Artikel des sowjetisch-tschechoslowakischen Truppenvertrags vom 16.

„Figaro“ probt die Participation

Zum erstenmal in seiner mehr als hundertjährigen Geschichte hat der Pariser Figaro, das Morgenblatt des konservativen und liberalen französischen Bürgertums, in der vergangenen Woche nicht erscheinen können.

Versteifte Fronten in Nahost

In den Wandelgängen der Vereinten Nationen gab es am vorigen Wochenende Hoffnungen auf eine Annäherung zwischen Arabern und Israelis.

Selbstmordserie in Bonn

In Bonn reißt die Kette prominenter Selbstmorde nicht ab. Am Dienstag wurde bekannt: Dr. Hans-Heinrich Schenk (40), Regierungsdirektor und Hilfsreferent in der Abteilung Außenwirtschaft und Entwicklungshilfe im Bundeswirtschaftsministerium, hat sich vor einer Woche erschossen.

Besatzungsstatut für Prag

Der sowjetisch – tschechoslowakische „Truppenvertrag“, der am vorigen Wochenende in Prag von den Ministerpräsidenten Kossygin und Černik unterzeichnet und von der Nationalversammlung ratifiziert wurde, hat die Besetzung der ČSSR für unabsehbare Zeit besiegelt.

MEXCO: Schau der Rekorde

Die XIX. Olympischen Spiele sind auch in sportlicher Hinsicht eine „Schau der Superlative“. Noch nie purzelten so viele Weltrekorde wie bei den Sommerspielen in Mexiko: Bei Halbzeit am vorigen Sonntag waren es 24.

Apollo 7 – ein voller Erfolg

Nach 163 Erdumkreisungen in elf Tagen ist das amerikanische Raumschiff Apollo 7 am Dienstagmittag im atlantischen Zielgebiet bei den Bermuda-Inseln gelandet.

Namen der Woche

Jewgenij Jewtuschenko (35), sowjetischer Schriftsteller, nach Protesten gegen die ČSSR-Invasion möglicherweise in Ungnade gefallen, ist für den Poetik-Lehrstuhl an der englischen Universität Oxford nominiert worden.

Von ZEIT zu ZEIT

Württemberg und im Saarland endeten mit leichten Gewinnen der CDU, geringen Verlusten der SPD, nahezu unverändertem Stand der FDP und starken Einbußen der hessischen NPD.

WEU: Nichts gewonnen

Die zweitägige Sitzung des WEU-Ministerrats am Wochenanfang in Rom zeigte die gewohnte Schlachtordnung: Sechs Staaten der westeuropäischen Union sprachen sich für einen Beitritt Englands zur EWG aus, einer war dagegen.

NPD: Hälfte verloren

Bei den Kommunalwahlen in Baden-Württemberg, Hessen und dem Saarland konnte die CDU ihre Position verbessern. Die SPD mußte in allen drei Bundesländern leichte Verluste hinnehmen.

Der drohende Drache

Die Nachrichten aus dem All sind präziser – und sie sind verläßlicher als die Nachrichten aus China. Die Weltöffentlichkeit, die über alle Phasen des jüngsten Apollo-Fluges um den Erdball in Sekundenschnelle informiert wurde, ist, was die Vorgänge im bevölkerungsreichsten Staat hier unten anbetrifft, immer noch auf Mutmaßungen angewiesen.

Mit Tomaten gegen den Kardinal

Österreich hat es gar nicht besser, wie oft behauptet wird. Die angeblich so friedliche Alpenrepublik hat auch ihre deftigen Kräche.

Titos Taktik

Mit der gleichen Entrüstung, in der westliche Kommentare vor einem Jahr von Titos "Rückkehr nach Moskau" sprachen, wird der jugoslawische Präsident jetzt nach seinem Belgrader Gespräch mit dem amerikanischen Staatssekretär Katzenbach vom Osten verdächtigt, "ins imperialistische Lager" einzuschwenken.

"Weder zwicken noch kuschen"

Der 21. August, der Einmarsch der Warschauer-Pakt-Armeen in die Tschechoslowakei, hat in dem Nachbarland Österreich einen tiefen Schock ausgelöst.

Als der Kaiser ging

Kreidebleich stürzte der Staatssekretär Philipp Scheidemann ins Beratungszimmer. Er, der kraftvolle, stets aufgeräumte, überlegen auftretende Wortführer der Sozialdemokraten zitterte am ganzen Leibe.

Adolf Metzner berichtet aus Mexico City: Auf der Jagd nach Phantomen

Dies war der größte Augenblick der ersten Woche der Olympischen Spiele in Mexico City: Der schwarze amerikanische Athlet Beamon sprintete die Weitsprung-Kunststoffbahn entlang, traf den Absprungbalken aus vollem Lauf haargenau und flog dann empor in einer Parabel, deren Kulminationspunkt so hoch lag, daß er den Zehntausenden den Atem stocken ließ.

Spiele der Kollapse

Das sind die Olympischen Spiele der Zusammenbrüche und der Wiederbelebungsversuche. Endgültig hat sich herausgestellt, wie gefährlich die sauerstoffarme Luft in Mexico City bei Ausdauerleistungen für die Sportler aus dem Tiefland ist.

In die Sackgasse musiziert

Sie trafen einander alle mal wieder in Donaueschingen: die Komponisten ihre Verleger, die Verleger die Rundfunk-Hauptabteilungsleiter und deren Referenten für das avantgardistische Feigenblatt, die Hauptabteilungsleiter die Interpreten, die Interpreten ihre Kritiker, die Kritiker ihre Komponisten.

Nobelpreis

Der Nobelpreis hat alles in ein neues Licht gerückt. Ich hatte von Yasunari Kawabata bisher ein nur unscharfes Bild – nicht, weil ich seine Romane und Erzählungen etwa nicht gelesen hätte, sondern weil bei mir kaum etwas von ihnen haften geblieben war.

Drama unserer Zeit im Drama unserer Zeit

Der Doppelsinn des Rahmenthemas war beabsichtigt. „Das Drama unserer Zeit“ – als drückendes Geschehen unserer Tage, gleichzeitig aber auch als Versuch, dieses Geschehen im Drama zu fixieren.

Aufstand der Phantasie

L’imagination au pouvoir! Die Phantasie an die Macht! So konnte man es im Mai dieses Jahres an den Mauern der Pariser Universität lesen.

Fernsehen: Berichte aus Mexiko

Für die Programmdirektoren, und nicht nur für sie, stehen anstrengende Tage bevor: Wenn die Reporter aus Mexiko heimgekehrt sind, wird es die Aufgabe der Oberen sein, den Berichterstattern die verbalen Fehler, das große Versagen und, die kleinen Schnitzer, zu zeigen.

Wohin mit unseren edleren Gefühlen?

Die public-relations-Belange einer Nation sind mit Staatsoberhäuptern und Ministern nicht immer zum besten vertreten – von den politischen Tätigkeiten und Tätlichkeiten ganz zu schweigen, die kein noch so genialer PR-Stratege in das freundlich-rosige Licht einer weichen Weinbrandwellenwerbung einzufärben in der Lage wäre.

Nach Kassel zur Kasse

Es war schön, es war lustig. Die Galeristen trugen am Eröffnungsabend zaghaften Optimismus zur Schau, waren schon am zweiten Tag siegessicher und fuhren nach fünf Tagen mit geschwellter Brust und Brieftasche nach Hause.

Lydia Schierning empfiehlt Schallplatten

Ein neues Duo stellt sich vor: Barenboim, bewährt als Pianist und Dirigent, zeigt, daß er auch das wechselseitige Aufeinander-Einwirken im Ensemble beherrscht; der Klarinettist Peyer ist auf seinen zahlreichen Schallplatten noch nie so verhalten und doch so ausdrucksstark zu hören gewesen wie hier.

Kunstkalender

Seinen ersten großen Auftritt hatte Richard Lindner (er ist 1901 in Hamburg geboren, in Nürnberg aufgewachsen, 1933 nach Paris emigriert, seit 1941 in New York) auf der vierten documenta.

Theater: Hier irrt Buckwitz

Im Januar 1966 wurde unter dem Titel „Aale auf einem Baum“ zum erstenmal in Deutschland eine Szene aus dem Theaterstück „Him“ gespielt, das der 1962 verstorbene amerikanische Lyriker und Romancier E.

FILMTIPS

„Rosemaries Baby“, von Roman Polanski. Ein Horrorfilm, der funktioniert: Ein junges Ehepaar, das in ein altes New Yorker Apartment-Haus einzieht, wäre besser nicht eingezogen; Rosemaries Baby übertrifft Rosemaries schlimmste Befürchtungen, auch die des Zuschauers, für den Rosemaries scheinbare Schwangerschaftspsychose schon schlimm genug ist.

ZEITMOSAIK

Zum 1. Januar 1969 wird der Arena-Verlag in Würzburg, eines der führenden Häuser auf dem Gebiet des Jugendbuchs, den Braunschweiger Westermann-Jugendbuchverlag übernehmen.

Der deutsche Germanistentag

Auf dem Germanistentage in München (1966) ist Kritik an der Vergangenheit eines Faches geübt worden, dessen jüngere, liberale Vertreter erkannt hatten, daß dieses Fach sich nicht länger so verstehen dürfe, wie es sich fast eineinhalb Jahrhunderte verstanden hat.

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