Kiesinger ist ein zu kluger Politiker, als daß er nicht gespürt hätte, wie glatt das politische Parkett ist, auf dem er sich in Portugal und Spanien bewegt hat. Vorsicht war seine Devise, und so ist ihm kein einziger Satz entschlüpft, den böser Wille oder auch nur pure Sorge in einen Fortklang der faschistischen Kumpanei von einst hätten umkomponieren können.

Aber nicht nur der Kanzler besuchte die iberische Halbinsel. Zugleich mit seiner Visite trafen sich europäische Konservative, vereint im Glauben an das katholische Abendland und zusammengeschlossen in einem Verband, in dessen Namen politische Mimikry einen sprachlichen Triumph feiert: Europäisches Dokumentations- und Informationszentrum.

Einer unter manchen Deutschen war dort der Bundestagsvizepräsident Richard Jaeger. Er griff, wie immer, tief in die Saiten des Pathos und erklärte, die Kämpfer, die in Portugiesisch-Afrika ihr Leben ließen, seien "nicht nur Soldaten Portugals, sondern auch Soldaten Europas".

Mag Richard Jaeger diesen Europabegriff mit sich und seinesgleichen abmachen. Schlimm ist nur, daß seine törichte Bekundung gerade zu dem Zeitpunkt aktenkundig wurde, da Kiesinger alles daransetzte, jegliches Mißverständnis zu vermeiden. Wäre es wirklich nur böser Wille und nicht doch Sorge, wenn jemand fragte, wer von beiden denn wirklich für Deutschland spricht? H. G.