Nicht einmal in Zukunftsromanen werden Bakterien automatisch untersucht. In den modernsten Laboratorien braucht man hochqualifizierte Mitarbeiter, die Mikroorganismen eindeutig bestimmen. Die konventionellen Methoden sind häufig langwierig und teuer.

Das muß nicht so bleiben. Philip J. Wyatt schlägt in der Zeitschrift „Applied Optics“ (7, 1968) eine Untersuchungsmethode vor, die in Bruchteilen von Sekunden zu eindeutigen Ergebnissen führt: Richtet man einen dünnen monochromatischen (einfarbigen) Lichtstrahl auf eine Kolonie von Mikroorganismen, so wird ein Teil der Strahlung von der Kultur gestreut. Diese Lichtstreuung ist nicht gleichmäßig, vielmehr ist unter bestimmten Ausfallswinkeln die Intensität des gestreuten Lichtes besonders groß. Unter welchem Winkel nun die Maxima und Minima der Intensitätsverteilung auftreten, hängt von der Gestalt und den dielektrischen Eigenschaften der Mikroorganismen ab. Und da es zum Beispiel keine Bakterienarten gibt, die sich darin völlig gleichen, ist auch das Streumuster eindeutig für eine bestimmte Art.

Grundsätzlich wäre es möglich, aus der gemessenen Lage der Streumaxima und -minima Form, Größe und dielektrische Eigenschaften des streuenden Körpers zu berechnen. In der Praxis ist es einfacher, einen Katalog der Streucharakteristika von Mikroorganismen anzulegen und an Hand dessen unbekannte Objekte zu identifizieren. Messung und Auswertung kanrf vollautomatisch erfolgen.

Als Lichtquelle diente dem amerikanischen Industrieforscher ein Rubinlaser und als Detektor der Streuverteilung ein Lichtverstärker.

Doch nicht nur Zeit und Personal dürfte diese Methode sparen. Ganz neue Möglichkeiten eröffnen sich dem Bakteriologen. Jetzt kann er zum Beispiel in vivo den Wachstumsprozeß von Mikroorganismen verfolgen. Für das bestrahlte Objekt nämlich ist die Prozedur harmlos.

H. B.