Von Angelika Mechtel

Es begann mit dem weißen Hemdkragen des Personalchefs.

Ich sah auf einem Photo in eine freundliche Montagehalle, wo sie alle in Reih und Glied saßen, über das ganze Gesicht lachten, frisch und adrett die Frauen und die Männer männlich. Ich dachte: da scheint die Sonne rein, und gleich fangen sie an zu singen. Aber sie fingen nicht an, und ich rekapitulierte, was ich von diesen Frauen weiß.

Seit 1940 hat sich der Anteil der verheirateten Frauen unter den Erwerbstätigen in der Bundesrepublik verdoppelt. 9,7 Millionen der bundesrepublikanischen Frauen sind erwerbstätig. Davon sind dreieinhalb Millionen Arbeiterinnen. Fünfzig Prozent arbeiten im Akkord. Fünfundvierzig Prozent aller Arbeiterinnen sind ungelernte Kräfte, sechsundvierzig Prozent angelernte, und nur neun Prozent sind Facharbeiterinnen. Der DGB hat Untersuchungen vorgelegt, aus denen zu ersehen ist, daß das Einkommen der Ehemänner der meisten erwerbstätigen Mütter unter dem statistisch ermittelten Erwerbsminimum liegt.

Ich wollte die Stellungnahme des Personalchefs zum Faktum „Arbeiterin, Frau und Mutter“ hören. Dazu den Bericht einer Arbeiterin.

Der Personalchef mit dem sauberen Hemdkragen gab sich große Mühe. Die Frisur der Frau war so frisch wie ihr gepflegtes Make-up. Die Arbeiterin gab sich auch große Mühe.

Der Betrieb gibt sich immer große Mühe (Er muß nicht in Bayern stehen. Das kann überall passieren. Die Elektroindustrie ist weit verbreitet.)