Termin war der 31. Oktober 1968. Am Nachmittag dieses Tages lief in Bonn per Fernschreiben die Vollzugsmeldung ein: Die Bölkow GmbH und die Messerschmitt AG haben sich zur größten Luft- und Raumfahrtfirma der Bundesrepublik zusammengeschlossen.

Der Termin war wichtig. Es geht um das „Neue Kampfflugzeug“ (NKF), das Mitte der siebziger Jahre den Starfighter ablösen soll. Die Messerschmitt-Bölkow GmbH – wie das Unternehmen jetzt firmiert – hofft auf die Federführung bei diesem größten Auftrag, den das Verteidigungsministerium in nächster Zeit für die Luftfahrtindustrie hat.

Bayerns Ministerpräsident Goppel ließ bei der Vertragsunterzeichnung keinen Zweifel daran, daß auch die Landesregierung nun eine Entscheidung Bonns zugunsten der Münchner Firma erwarte. Schließlich hat sich der Freistaat Bayern mit einem Sechstel des Gesellschafterkapitals – und mit der Zusage von Investitionskrediten – engagiert, um die Fusion endlich zu erreichen.

Die bayerische Forderung ist jedoch insofern delikat, als sich die Bundesregierung auf der anderen Seite einer heftigen politischen Pression von den Briten ausgesetzt sieht, die sich neben anderen Ländern an dem Projekt beteiligen wollen unter der Bedingung, daß sie die Federführung erhalten.

Die Messerschmitt-Böllow-Gruppe beschäftigt zur Zeit 12 300 Mitarbeiter; der Umsatz wird in diesem Jahr voraussichtlich 600 Millionen Mark betragen; das Gesellschaftskapital soll bald von 19,2 auf mindesten 41 Millionen Mark aufgestockt werden.

In einer Pressemitteilung wurde in diesem Zusammenhang von einer Firma „mit bereits europäischer Größenordnung“ gesprochen. Dennoch sind weitere Partner willkommen.

Landesvater Goppel lud unmißverständlich das fast benachbarte Haus Siemens ein. Ludwig Bölkow, Vorsitzender der neuen Geschäftsführung, hält jenseits der deutschen Grenzen Ausschau.

Es mag ein Zufall sein: Auch in München wird gegenwärtig sehr viel von Fiat gesprochen. hm