In der ZEIT Nr. 37 veröffentlichten wir einen Beitrag von Christian Troebst – Industriepfarrer an der Evangelischen Akademie Bad Boll –, der sich kritisch mit den menschlichen Problemen des oberen Managements beschäftigte („Kofferpacken oder kuschen“). Dazu äußerte sich in der ZEIT Nr. 43 Bernhard M. Lichtwer vom Personalressort der Standard Elektrik Lorenz AG, Stuttgart („Wer sich duckt, ist selber schuld“). Der Autor dieses Diskussionsbeitrags ist Vorstandsmitglied der Deutschen Bank.

Angeregt durch die Vorgänge beim Rheinstahl-Konzern, der durch sein Management in eine Krise geriet, entwirft Pastor Troebst ein Bild von dem Manager, das tatsächlich „an die Zeit der Raubritter und Piraten“ erinnert. Da ist die Rede von der „Masse der Wirtschaftsmanager“, die „ständig im Clinch mit ihresgleichen“ ist, von „Rotten und Cliquen, die sich umschleichen und belauern und einander über Bord zu werfen trachten“, vom „Zweikampf Boß gegen Boß“.

Die Darstellung des Herrn Troebst entspricht am ehesten dem historischen Idealtypus des hochkapitalistischen Unternehmers, der von E. Salin und J. Schumpeter als geschmeidig und rücksichtslos, dem Konkurrenzkampf verschrieben und neuerungssüchtig interpretiert worden ist. Doch diesem Typus folgte bereits mit dem Ende des 19. Jahrhunderts aufkommenden Spätkapitalismus ein anderer Idealtypus, der in der Regel risikoscheu war und den Konkurrenzkampf mied. Auch der Spätkapitalismus ist inzwischen durch eine neue Epoche abgelöst worden, die im Zeichen der Marktwirtschaft steht, und das Management der modernen Wirtschaft entspricht schon angesichts der zweiten industriellen Revolution nicht mehr dem spätkapitalistischen Idealtypus.

Nun ist das Bild vom Unternehmertum – und neuerdings speziell vom Management – schon immer schillernd gewesen. Es reicht von der Idealisierung durch die moderne Nationalökonomie bis zur Dämonisierung durch marxistisch beeinflußte Ideologien. Allerdings zielt die unrealistische Darstellung des Herrn Troebst, mit der höchstens historische Reminiszenzen geweckt werden, überraschenderweise keineswegs darauf ab, irgendwelche gegen das Management gerichtete, antiquierte Ideologie zu aktualisieren, sondern die Leistungen der Manager finden bei ihm ausdrücklich Anerkennung und Würdigung.

Was Herrn Troebst um so mehr stört, sind eine angebliche „Rechtsunsicherheit unserer Wirtschaftsführer“ und deren Abhängigkeitsverhältnisse. Darin sieht er letztlich die Ursache für das System, das die Manager zwingt, „sich immer wieder mit ihresgleichen anzulegen und Guerillataktiken des Überlebens zu entwickeln“. Nach seiner Auffassung bringt dieses System „nicht nur sie selbst und nicht nur die Betriebe, sondern auch die ganze Gesellschaft um die Früchte ihrer Arbeit“.

Gewiß gibt es in allen gesellschaftlichen Bereichen der Menschen Rivalitäten, selbstverständlich auch im Management. Daß sie aber im Wirtschaftsmanagement der Bundesrepublik besonders ausgeprägt seien, hat bisher noch niemand ernsthaft behauptet. Eher werden – gerade von seiten amerikanischer Fachleute – bisweilen schon Stimmen laut, die die oft gepflegte Kollegialität des Managements in westdeutschen Unternehmen beanstanden und in absehbarer Zeit eine Abkehr von solcher kollegialen Einträchtigkeit und damit einen Übergang zu verstärkter persönlicher Verantwortlichkeit und Entscheidungsfreudigkeit für wahrscheinlich halten.

Von einer Rechtsunsicherheit unserer Wirtschaftsführer kann außerdem überhaupt nicht die Rede sein. Schon der Mangel an fähigen Managerpersönlichkeiten bedingt, daß besonders bei Großunternehmen durch entsprechende Vertragsmodalitäten für die Manager alle möglichen persönlichen Unsicherheiten auf lange Sicht weitgehend ausgeschaltet werden.