Mit der Rationalisierung des Produktionsapparats, mit der Vervielfachung der Funktion nimmt alle Herrschaft die Form der Verwaltung an. Herbert Marcuse

So schnell wie möglich

Mit großer Mehrheit nahmen die römischkatholischen Priester Hollands, die in Noordwijkerhout mit ihren Bischöfen tagten, eine Entschließung an, in der sie, „besorgt über die Zukunft der Kirche“, den Wunsch ausdrücken, es möchten „Wege gefunden werden, auch Verheiratete zum Priesteramt zuzulassen“. Der Priesterrat bat den Episkopat, „alles zu versuchen, damit eine solche Pluralität so schnell wie möglich in den Niederlanden verwirklicht werden kann“. Zum anderen fand eine Kommission des Pastoralkonzils unorthodoxe Ansichten zur Ehe: In der katholischen Lehre sei die Unauflöslichkeit der Ehe mit ihrem sakramentalen Charakter verbunden; wenn aber kein menschliches Band mehr zwischen den Eheleuten bestehe, könne auch nicht mehr vom Sakrament gesprochen werden. Was da wohl die römischen Kollegen und der auf seine Autorität stolze Papst Paul sagen werden – so schnell wie möglich!

Neue Ostpolitik

Nachdem die Spitzenfunktionäre der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik es bereits für nicht opportun hielten, ihre Jahrestagung wie geplant während des Musikfestes „Warschauer Herbst“ in der polnischen Hauptstadt abzuhalten, und lieber die Polen brüskierten, indem sie, von dem deutschen Präsidenten Heinrich Strobel gerufen, in Baden-Baden zusammenkamen, lehnte es die Bundesregierung, weil die NATO es so empfahl, jetzt auch ab, der Warschauer Nationalphilharmonie „zum gegenwärtigen Zeitpunkt“ die Einreise für eine Konzerttournee zu gestatten.

Walter Holzhausen

Im Alter von 72 Jahren starb in Bonn der Mann, dem die Stadt ein Museum verdankt, das am ehesten noch von allen Kulturinstitutionen unserer Metropole hauptstädtischen Rang erreicht. In aller Stille und mit natürlich unzureichenden Mitteln erwarb Walter Holzhausen, Clemen- und Wölfflin-Schüler, nachdem er 1947 aus Dresden, wo er dem „Grünen Gewölbe“ als Kustos gedient hatte, in seine Heimatstadt Bonn zurückgekehrt und dort zum Direktor der Städtischen Kunstsammlungen berufen worden war, vor allem Werke der rheinländischen Romantik, des frühen Expressionismus und jüngerer Künstler aus dem Köln-Bonner Raum.