Politik

Hie Flamen, hie Welsche

Die Belgier sagen von sich selbst: „Niemand in Europa denkt so leidenschaftlich europäisch, wie wir Es ist ein Bekenntnis, das keinen lweifel duldet.

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Wirtschaft

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DIE ZEIT

Kandidaten zur Wahl

Immer wieder hört man die Klage, wie schwer es ist, in der Bundesrepublik geeignete Kandidaten für die Spitzenpositionen zu finden.

Urteil aus Gefälligkeit

Mögen Stammtischbrüder dem harten Spruch des Berliner Amtsrichters Drygalla auch begeistert Beifall gezollt haben, die Kommentatoren in der deutschen Presse, von Springers studentenfeindlicher BZ bis zur liberalen Süddeutschen Zeitung, waren sich in ihrer Schelte einig: Über den Ohrfeigen-Überfall auf den Bundeskanzler sei kein gerechtes Urteil gefällt worden, die Justiz habe dem Recht selber einen schallenden Backenstreich versetzt.

Verzicht auf die Heroen

Nicht nur die Kritiker unterschätzen zuweilen die CDU. Auch der Parteivorsitzende der Christlichen Demokraten ist in Berlin offenbar diesem Irrtum erlegen.

Quittung für Prag

Wer sich heute die Situation des internationalen Kommunismus vergegenwärtigt, versteht gut, warum Lenin immer wieder vor Fraktionsbildungen gewarnt hat.

ZEITSPIEGEL

„In einer schwierigen und chaotischen Situation war das amerikanisch-monopolistische Kapital gezwungen, ein einäugiges Pferd gegen ein blindes auszuwechseln, um ein stürmisches Rennen zu durchlaufen.

Staatsmann oder Plastik-Politiker?

Richard Milhous Nixon hat die amerikanische Präsidentenwahl knapp gewonnen – so knapp, wie er 1960 gegen John F. Kennedy verloren hatte; es liegt eine gewisse poetische Gerechtigkeit darin.

Waldeck Rochets Seiltanz

Das Kommuniqué, das nach dem Besuch der französischen Kommunisten in Moskau veröffentlicht wurde, ist vielfach als eine halbe Kapitulation Waldeck Rochets interpretiert worden.

„Brüderliche“ Polemik

Die Beziehungen zwischen Walter Ulbrichts SED und Luigi Longos KPI treiben einem offenen Konflikt entgegen. Das „Vorkriegsstadium“ der allgemeinen ideologischen Mobilmachung ist bereits erreicht.

Ein Triumph der Ausdauer

Wenn Richard Nixon, der 37. Präsident der Vereinigten Staaten, am 20. Januar von seinem Vorgänger Lyndon Johnson ins Weiße Haus geleitet wird, muß ihm wie einem Feldherrn des Altertums zumute sein, der in eine eroberte Stadt einzieht.

Tauziehen um Vietnam

Wem soll die Herrschaft über Südvietnam zufallen – der Regierung in Saigon oder der von den Kommunisten kontrollierten Nationalen Befreiungsfront? Darum ist es im Vietnamkrieg gegangen, und da der Krieg keine Entscheidung darüber gebracht hat, wird es auch in den Friedensverhandlungen allein um diese Frage gehen.

Inventur nach der Prager Krise

Die Außen- und Verteidigungsminister des westlichen Bündnisses wollen Ende dieser Woche in Brüssel die politischen Konsequenzen aus der Sowjetinvasion in die Tschechoslowakei ziehen.

Ein Fehler mit Folgen

Die Polemik um die militärische Besetzung der ČSSR nimmt gegenwärtig exegetische Formen an. Man deutet und deutelt, was tschechische und slowakische Politiker, Schriftsteller, Journalisten mit dieser oder jener Rede, mit diesem oder jenem im Prager Frühling verfaßten Artikel gemeint haben dürften.

Wolfgang Ebert:: Abschreckend?

Das Berliner Urteil gegen Beate Klarsfeld wegen der Kanzlerohrfeige sollte auch eine abschreckende Wirkung haben – damit sich das nicht wiederholt, was dazu geführt hat, daß Beate Klarsfeld so zornig auf den Kanzler ist.

Zeitdokument

Die Ämterpatronage muß sich sehr ausgebreitet haben, wenn jemand sich von solchem Inseratentext einen Erfolg verspricht. Vielleicht hat der Mann recht.

Sitzen und sitzenlassen

Die Frage richtet sich an Professor Dr. Ulrich Klug, Ordinarius für Strafrecht und Rechtsphilosophie (und einige Fächer mehr) an der Universität Köln, den erfolgreichen Verteidiger des Kölner Ex-AStA-Vorsitzenden Klaus Laepple und dessen Pressereferenten.

Breschnjew fordert KP-Weltkonferenz

Die Spannungen zwischen den sozialistischen Ländern traten auch, auf dem V. Parteitag der Polnischen Vereinigten Arbeiterpartei in Warschau deutlich zutage: Die Okkupationsmächte Sowjetunion, Bulgarien, Polen, DDR und Ungarn waren durch ihre Parteiführer Breschnjew, Schiwkoff, Ulbricht, Gomulka (als Gastgeber) und Kadar vertreten, die kommunistischen Parteien Westeuropas aber nur durch einzelne Politbüromitglieder oder durch Funktionäre der zweiten Garnitur.

Von ZEIT zu ZEIT

Im Weißen Haus kam es zur ersten Begegnung zwischen dem Präsidenten Lyndon B. Johnson und seinem Nachfolger Nixon. Als vermeintliche Planer eines Mordanschlags auf Richard Nixon wurden in New York drei Jemeniten festgenommen.

Endspurt zum Mond

„Sonde 6“ würde von einem Erdsatelliten aus abgeschossen und soll den „mondnahen Raum“ erkunden. Möglicherweise beabsichtigen die Sowjets, ihre Astronauten von einem künstlichen Erdsatelliten aus – wie ihn etwa zwei nach dem Muster von Sojus 2 und 3 gekoppelte Raumschiffe darstellen könnten – direkt auf den Erdtrabanten zu entsenden.

Thieu blieb hartnäckig

Zwei Wochen nach dem Angebot des scheidenden US-Präsidenten Johnson, mit Hanoi, Saigon und der Nationalen Befreiungsfront über eine Beendigung des Vietnamkonflikts zu beraten, war der vierte Platz in der Pariser Konferenzrunde noch immer nicht besetzt.

Mordkomplott gegen Nixon

Beinahe hätte Richard Milhous Nixon, designierter Präsident der Vereinigten Staaten, sein Amt am 20. Januar nachsten Jahres gar nicht antreten können: Der amerikanische Sicherheitsdienst und das FBI deckten am Wochenende im New Yorker Stadtteil Brooklyn ein Mordkomplott auf.

Atlantische Woche in Brüssel

Den Auftakt dafür bildeten Vorgespräche über die Bildung einer europäischen Verteidigungssektion innerhalb der NATO, zu denen der britische Verteidigungsminister Healey seine Kollegen aus der Bundesrepublik, Italien, Belgien, den Niederlanden, Norwegen und Dänemark eingeladen hatte; das ebenfalls geladene Frankreich winkte ab.

SPD will die ganze Macht

Nur einmal stand die CDU vorige Woche auf ihrem Parteitag in Berlin geschlossen hinter ihrem Vorsitzenden: als Kurt Georg Kiesinger von der enragierten Kanzler-Gegnerin Beate Klarsfeld (29) geohrfeigt worden, war.

Prag: Spaltung droht

Wenige Tage vor der Sitzung des Prager Zentralkomitees, bei der es wahrscheinlich zur entscheidenden Kraftprobe zwischen Reformern und Moskau-Anhängern kommen wird, haben sich am Wochenende die Spannungen in der Bevölkerung erstmals seit der Besetzung in aller Öffentlichkeit entladen.

Namen der Woche

Karl Heinrich Knappstein (62), deutscher Botschafter in Washington seit 1962, will zum Jahreswechsel aus dem aktiven Dienst ausscheiden.

Kai Hermann berichtet aus USA: Der Aufstand des kleinen Mannes

David legte die Beine hoch, nachdem er sein Fertiggericht halb aufgegessen hatte, sah gelangweilt in den farbigen Bildschirm, auf dem zwei Tage nach den Wahlen noch immer Stimmen addiert wurden, und kommentierte wenig enthusiastisch: „Hat’s Tricky Dick mit unseren Stimmen doch noch gemacht.

Jetzt sind’s schon sieben

Der Unbekannte drückte auf die Klingel unter dem Namensschild „Rukavina“ in dem Appartementhaus Paul-Heyse-Straße 25, schoß in der Einzimmerwohnung das Magazin seiner Automatikpistole leer und verschwand wieder.

Ein Blick fürs ganze Buch

Als Frau Bruhns, Schwägerin des ehemaligen Hamburger Kultursenators Biermann-Ratjen, sich von Ernst Flege in Öl porträtieren ließ, mußte sie ein Buch in die Hand nehmen.

„Da läufscht halt langsam”

So sicher, als beträte sie einen Laden, um Gemüse einzukaufen, stapft sie stämmig und kurzbeinig in modernen Blockabsatzschuhen herein, legt säuberlich rosa Mantel und Handtasche auf einen Sitz der ersten Stuhlreihe und geht zur Zeugenbank.

Sturm auf Wissmann

Vom künstlerischen Standpunkt aus gleich Null“. Das Urteil des Hamburger Amtes für Denkmalsschutz zweifelt niemand an: das Wissmann-Denkmal, das bis vor wenigen Tagen noch im Park der alten Hamburger Universität stand, hatte mehr historische Bedeutung.

Ostberlin: Faust war kein Sozialist

Der Deutschen Nationaldrama, Goethes „Faust“, Pflichtlektüre für Primaner und erhabenes Meisterwerk, ist in Ostberlin vom Bildungsgut zum Politikum avanciert.

Ob Mehrwertsteuer oder Revolution: die Autoren werden zur Kasse gebeten: Raubdrucke

Wenn in den Kreisen der revolutionären linken Publizistik jetzt immer wieder erwogen wird, ob revolutionäre Schriften und Bücher nicht einfach nachgedruckt werden sollten, ohne daß man sich dabei an so kapitalistische Institutionen wie Autorenverträge und Nachdruckhonorare hält, so spricht daraus eine gewisse Logik.

Die Suhrkamp-Revolte

Deutlicher als alles andere hat spätestens die letzte Frankfurter Buchmesse ans Licht gebracht, welcher Art die Unruhe ist, die den Buchhandel heute plagt.

Stipendien ohne Gegenleistung

Musik gilt in Schweden als gesellschaftspolitische Kraft, und die Stimmen, die das betonen, scheinen sich Tag auf Tag zu mehren.

Ein Plädoyer für Skandinavien

Skandinavien ist mehr als die nördliche Verlängerung Schleswig-Holsteins. Wer in den Norden Europas fährt, sollte sich eigentlich Zeit lassen könnten und nicht fünf Städte in zwölf Tagen besuchen.

Beckmann zwischen Aktualität und Historie

Es ist riskant, Beckmann heute zu präsentieren. Selbst seine enthusiastischsten Anhänger geraten in Verlegenheit, wenn sie seine Aktualität nachweisen wollen, und werden zugeben, daß seine Wirkung nachgelassen hat.

Der kritzelnde Fundstückerzähler

Unter den Pop-Artisten der zweiten Generation dürfte er einer der tatsächlich populärsten sein. David Hockney, 1937 in Bradford, Yorkshire, geboren, lebt in London und Los Angeles.

Kunstkalender

Mavignier: „Tatsache ist, daß ein Kunstgegenstand immer kontrolliert ist.“ Und: Immer progressiver sei die Tendenz, das Kunstwerk anonym zu machen.

Romeo und Julia in Technikolor

Von den Montagues und Capulets weiß der Film oft mehr, als die meisten Theateraufführungen sich träumen lassen. Wer zum Beispiel Julias Mutter bisher als eine händeringende Stichwortlieferantin an der Seite eines cholerischen Gatten hinreichend zu kennen glaubte, dem stellt Zeffirelli eine Ehe-Enttäuschte vor, die zu jung einen zu alten Mann geheiratet hatte und von der man sogar annehmen darf, daß sie Julias Vetter Tybalt ein mehr als nur verwandtschaftliches Interesse entgegenbringt.

Fernsehen: Gesichter: So und so

Bleiben die Frauen mit Kopftuch und altertümlicher Tasche, schauen hämisch drein und verbittert, eine Phalanx muffiger Erinnyen, bringen ihr Hoch aus auf die Sowjetunion, während der Parteiführer am Ehrenmal den Kranz niederlegt, der Tag ist günstig, um es den Dubčeks zu zeigen: Wir sind immer noch da, wir kommen wieder; es wird kein strahlender Triumph werden, eher eine Abrechnung mit den Rabauken, den Fahnenverbrennern und Miniröcken und Barten, aber immerhin doch ein Sieg.

FILMTIPS

„Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“, von Alexander Kluge, dem zu seinem Film eine Menge eingefallen ist: „Es gibt keine von den Bildern und Tönen abgezogene Bedeutung, sagte auch Frieda Grafe einmal.

Ohne Zwang und Klang

Neue Vorschläge folgen: links, halblinks, rechts; sukzessiv, dann simultan. Bilder schießen zu diskret rhythmisierten Stimmen zusammen; verbale Hinweise suggerieren Klangeindrücke und nehmen sie im Schriftbild schon voraus.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Es sind zwei der bedeutendsten Kammermusikveröffentlichungen der letzten Jahre anzuzeigen: Beethovens mittlere Quartette in zwei Einspielungen, die musikalisch grundverschieden sind, die aber beide ein technisches und künstlerisches Niveau besitzen, an dem von nun an Kammermusikaufnahmen zu messen sein werden.

Für die Junta eine Bestie

Jannis Ritsos gehört neben Giorgos Seferis und Odysseus Elytis zu den bedeutenderen unter den griechischen Lyrikern der Gegenwart.

ZU EMPFEHLEN

ES ENTHÄLT eine umfassende und abgewogene Darstellung der kulturgeschichtlichen, soziologischen, psychologischen und strafrechtlichen Aspekte jener allzu innigen Verhaltensweise; insbesondere Kapitel über die sozialen Charakteristika des Inzest-Milieus sowie die Persönlichkeit des männlichen Inzesttäters und des weiblichen Inzestopfers, die, auf eigenen Forschungen des Autors beruhend, völlig neues Licht auf ein uraltes Tabu werfen.

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