Amerika geht auf „hohen Kurs – und wir sprechen immer noch von Aufwertung

Richard Nixon, den Adenauer so gern statt Kennedy im Weißen Haus gesehen hätte, hat es nun doch noch geschafft. Die Hoffnungen freilich, die manche Leute in unserem Land an die Amtsübernahme durch einen Republikaner knüpfen, werden sich schwerlich erfüllen. Mag sein, daß Nixon europäischen Problemen größere Aufmerksamkeit schenken wird – in jedem Fall aber wird er für Europa und die Bundesrepublik ein unbequemer Präsident sein.

Freilich kann man sich damit trösten, daß Nixon auch die Hoffnungen seiner eigenen Landsleute enttäuschen wird. Die Erwartungen sind einfach zu hochgespannt – die Amerikaner rechnen damit, daß Nixon die Steuern senken, die Inflation bremsen und das Wachstumstempo erhalten, die Beschränkungen für Kapitalanlagen im Ausland abbauen und gleichzeitig die Zahlungsbilanz sanieren wird.

Was aber kann – und will – der neue Präsident wirklich tun? Wohl kaum mehr, als den Inflationsdruck um den Preis einer etwas höheren Arbeitslosigkeit dämpfen (Siehe Seite 35).

Allzuweit kann Nixon auch dabei nicht gehen, weil er unter allen Umständen eine Stagnation wie unter Eisenhower verhindern muß. Wenn die neue Administration nach acht Jahren „demokratischem“ Boom eine „republikanische“ Flaute produzieren würde, wären die Wahlchancen der Partei Nixons für lange Zeit dahin.

Weil der neue Präsident im eigenen Land nur wenig Bewegungsfreiheit hat, wird er draußen um so härter auftreten. Hier zeichnen sich die Konturen seiner Wirtschaftspolitik bereits ab: eine gewisse Unterstützung für die Protektionisten, also Einschränkung der Importe, gleichzeitig verschärfter Kampf gegen tatsächliche oder angebliche Einfuhrhemmnisse anderer Staaten und schließlich Förderung der Exporte auch durch politischen Druck. Nixon spricht immer wieder davon, er wolle die „Macht der USA“ wieder stärker zur Geltung bringen.

Für Schillers „volkswirtschaftliche Gesamtrechnung“ setzt der Einzug des Republikaners in das Weiße Haus also durchaus. neue Daten. Wir müssen mit einer Erschwerung unserer Exporte nach den USA rechnen, eventuell sogar mit einem kleineren „Handelskrieg“. Und Strauß wird sich nicht mehr überlegen müssen, wie er überschüssige Steuermilliarden vor begierigen Parlamentariern im „Juliusturm“ in Sicherheit bringen kann – das Geld werden Nixons Abgesandte als Devisenausgleich in die USA holen.