In der Oktobernummer des „Städtetages“ findet sich folgende Anzeige:

Sozialdemokratischer Assessor

Dr. jur., 36 J., mehrjähriger Syndikus, sicher im Auftreten, gewandt in der Verhandlungsführung, sucht Stellung in der

Kommunalverwaltung

(im Rechtsamt oder als persönlicher Referent), wo er unter Parteifreunden Freude an kommunaler Tätigkeit mit aktiver Parteiarbeit verbinden kann.

Die Ämterpatronage muß sich sehr ausgebreitet haben, wenn jemand sich von solchem Inseratentext einen Erfolg verspricht. Vielleicht hat der Mann recht. Mag sein, daß es gar keinen Anstoß mehr erregt, wenn jemand so mit der Tür ins Haus fällt. Sicherlich gibt es Beamte, die eingestellt und befördert worden sind, weil sie sich um die Partei verdient gemacht haben.

Mancher junge Anwärter sucht nur deswegen eine Beamtenstellung, um sich die Plattform für ein Mandat und – durch Gehalt und Versorgungsanspruch – eine Basis für seine Abgeordnetentätigkeit zu schaffen. Die Beamtenposition ist für ihn lediglich der Start zur parlamentarischen Karriere. Ein besonders günstiger Startplatz ist die Stellung als persönlicher Referent bei einem Minister oder Oberbürgermeister. Ob und welche Stadtoberhäupter auf dieses Inserat reagieren, ist nicht so interessant wie die Bedeutung der Annonce als Zeitdokument. Es spiegelt Erscheinungen wider, die der Öffentlichkeit im allgemeinen verborgen bleibt. Th. E.