DIE ZEIT

Vor einer neuen Eiszeit?

Unleugbar ist das internationale Klima frostiger geworden, die Sprache der Staatsmänner härter – drohend im Osten, besorgt im Westen.

Verbot oder nicht Verbot?

Es läßt sich mit dem besten Willen nicht behaupten, die Bundesregierung habe in der Frage des NPD-Verbots sehr überzeugend operiert.

Der Bummeltrick

Durch einen "Dienst streng nach Vorschrift" will die Postgewerkschaft finanzielle Forderungen durchsetzen. Die Beamten sind verärgert darüber, daß die Erhöhung des Weihnachtsgeldes nicht allen Dienstgraden zugute kommt und daß die generelle Besoldungserhöhung um ein halbes Jahr verschoben worden ist.

Heißes Geld

Die Spekulanten geben nicht auf. Jedes Wochenende aufs neue setzen sie Millionen, sogar Milliarden auf eine Aufwertung der Mark – ungeachtet aller Dementis von Strauß, Schiller und Direktoren der Bundesbank.

Augustin Bea

Bea hat Geschichte gemacht, wenn auch nur für zehn Jahre, jener kurzen Spanne zwischen seiner Ernennung, zum Leiter des „Sekretariats für die Einheit der Christen“ bis zu seiner letzten Stunde.

Gomulka blieb obenauf

Durch die dicken Türen drang nur schwacher Applaus. Das neue Zentralkomitee der polnischen Kommunisten, das sich in den kleinen Rudniewa-Saal des Warschauer Kulturpalastes, irmitten einer Arzneimittelausstellung, zurückgezogen hatte, brauchte kaum vierzig Minuten, um sich wiederum den Mann zu verordnen, den viele wie eine bittere Medizin empfinden: Vladyslav Gomulka.

In Stalins Fußstapfen

Noch im Juni hatte Breschnjew einer Delegation aus Prag mit Tränen in den Augen versichert: Niemals habe sich die Sowjetunion in die inneren Angelegenheiten der Bruderstaaten einmischen wollen.

Nicht kapituliert

Der Versuch der Kreml-Führung, die italienischen Kommunisten zur Raison zu bringen, ist gescheitert. Die Delegation der KPI, die von dem Politbüromitglied Enrico Berlingner geführt wurde und die in der vergangenen Woche mit den Sowjets im Kreml Gespräche führte, hat sich keinem Druck gebeugt.

Werben um Algier

Der französische Außenminister, so wurde nach dem letzten Ministerrat offiziell erklärt, „könnte im Dezember nach Algerien reisen“.

Sperrfeuer aus Moskau

Rückwirkungen auf die Invasion der Tschechoslowakei hatten die Sowjetführer selbstverständlich. einkalkuliert – in der kommunstischen Welt wie im atlantischen Bündnis.

Nixon ist kein Nikolaus

Die Wahl Richard Nixons zum Präsidenten der USA hat in Westeuropa – was seine außenpolitischen Intentionen und Ambitionen anbelangt, eine zwiefache Reaktion gefunden – hier übersteigerte Erwartungen, dort schaudernde Befürchtungen.

Die NATO bietet dem Kreml Paroli

Die politische Wiedergeburt des atlantischen Bündnisses ist auf der Brüsseler Ministerkonferenz am letzten Wochenende in einem Ausmaß gelungen, das nach den vielen Jahren des inneren Verfalls westlicher Solidarität vor dem Prager Coup am 21.

Chaos zu Weihnachten?

Zu Weihnachten ein Chaos bei Post, Bahn und im Luftverkehr – diese Gefahr deutete sich am Wochenanfang an, als sich der Streit um Weihnachtszulagen und Besoldungsfragen zwischen den Tarifpartnern des öffentlichen Dienstes zusehends verschärfte.

Namen der Woche

Robert Murphy 74), US-Karrierediplomat im State Department unter den Präsidenten Roosevelt, Truman und Eisenhower, wurde vom designierten Präsiden-– den Nixon beauftragt, als außenpolitischer Berater Verbindung zur Johnson-Regierung zu halten.

Pakistan: Kampf um die Macht

Nach den Unruhen und Gewalttätigkeiten, die kürzlich in einem Attentatsversuch auf Staatspräsident Ayub Khan gipfelten, hat die Regierung Pakistans zum Gegenschlag ausgeholt.

Dubceks Sterne sinken

Mit einer Umgestaltung der Führungsspitze und mit der Verabschiedung eines Notprogramms hat das Zentralkomitee der KPČ seine Plenartagung am vorigen Wochenende abgeschlossen.

Ostberlin kehrt sich ab

Vor drei Wochen hatte die SED-Führung „Folgen“ wegen des „widerrechtlich“ in Westberlin tagenden CDU-Parteitages angedroht. Die Besorgnis wuchs, als am Freitag voriger Woche die Ostberliner Volkskammer zusammentrat, um auch „Erlasse des Staatsrats“ – und damit möglicherweise neue Berlin-Schikanen – zu billigen.

Von ZEIT zu ZEIT

Mit einer Schwächung der Reformer-Position und einer Anpassung an die Moskauer Forderungen endete die Prager Sitzung des ZK der tschechoslowakischen KP.

Vietnam: Kompromiß in Sicht

In Paris und Saigon mehrten sich am Wochenanfang die Anzeichen für einen Kompromiß zwischen den USA und Südvietnam, der Präsident Johnsons Friedensinitiative schon bald aus der Sackgasse herausführen könnte.

CDU nominierte Schröder

Einmütig hat die CDU/CSU am vorigen Freitag Bundesverteidigungsminister Gerhard Schröder (58) zum Kandidaten für das Amt des Bundespräsidenten nominiert.

Unsere kleinen Nachbarn (II): Bitternis in Belgiens Seele

Als im Frühjahr der akademischen Unruhen 1968 den flämischen Studenten in Löwen gelungen war, was den französischen Studenten in Paris versagt blieb: die Regierung zu stürzen, begab sich „VDB“, der Regierungschef Van den Boeynants, der ein kluges Regiment geführt, jedoch eben jenen wesentlichen Fehler gemacht hatte, die „Sprachenfrage“ auf Eis zu legen, nach Schloß Laeken, um dem König die Demissionsurkunde zu überreichen, „Bitternis in der Seele“, wie er sagte.

Politik der kleinen Stiche

Seit in der sowjetischen Parteizeitung „Prawda“ die Londoner „Times“ nicht mehr, wie bisher, als „bourgeoises“, sondern als „reaktiobisher, Blatt bezeichnet wird, ist die Klimaverschlechterung zwischen Russen and Engländern sozusagen offiziell registriert.

„Das Paradies ist dir sicher“

Tajjara! Tajjara!“ Meine jemenitische Leibwache stiebt auseinander wie eine Hühnerschar, in die der Fuchs gefahren ist. „Flugzeuge! Flugzeuge!“ Im Augenblick sind sie heran.

Wirrwarr bei der Abwehr?

Im Bundeshaus, im tiefen Keller, über zwei Treppen und viele Ecken zu erreichen, sitzt Martin Hirsch, Abgeordneter der SPD und deren stellvertretender Fraktionsvorsitzender.

Wolfgang Ebert:: Patriotische Denunziation

schon lange wollte ich zum Wohle unseres Staates nützlich sein, und darum muß ich eine Denunziation begehen: Millionen potentieller Subversanten bedrohen unser Land – und Du siehst sie nicht! Du kümmerst Dich emsig um APO, SDS, um Links- und Rechtsradikale.

Glück mit Tschechen

Eine tschechische Welle überrollt zur Zeit unsere Bühnen: aber nicht immer haben die verständlichen Sympathiekundgebungen auch überzeugende Resultate.

Jux mit Nestroy

Der Fall ist exemplarisch. Sonst lohnte es sich nicht, darüber viel Worte zu machen. Ein Meisterwerk deutscher Sprache wurde vom hurtigen und selbstgefälligen Spielleiter zu Konfektion verarbeitet: hübsche Leistungen von Schauspielern und das dankbar applaudierende Publikum einer Premiere am Sonntagabend.

DIE NEUE SCHALLPLATTE

Paul ist dicker geworden. Aber er ist immer noch scharf. Johns Haare sind länger, die von George kürzer als vor einem Jahr. Ringo hat noch immer keine Lust, aus England abzuhauen.

Wilhelm Lehmann feierte die Natur

Sechsundachtzig Jahre alt, starb nach langer, schwerer Krankheit in der Nacht zum letzten Sonntag in Eckernförde, wo er von 1923 bis zu seiner Pensionierung 1947 am Gymnasium neuere Sprachen unterrichtet hatte, der Lyriker Wilhelm Lehmann.

Fernsehen: Operationes spirituales

Ein Grenzsoldat, der drüben schoß, wird hüben vor Gericht gestellt – das Thema ist nicht neu, aber das sagt nichts; Originalität des Inhalts spricht weder für noch gegen ein Stück; die hundertste Antigone kann besser als das erste Hippie-Drama, das vorlagenfreie Happening befriedigender als der achtundzwanzigste Mauer-Film sein.

Gelehrt sein genügt nicht

Die gerichtliche Auseinandersetzung des Konvents der Freien Universität Berlin um das politische Mandat geht demnächst vor die letzte Instanz, das Bundesverwaltungsgericht.

Waste Land

Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften" geriet heftig ins Wanken, als Anfang der sechziger Jahre das Philologenpaar Kaiser/Wilkins einen Großangriff auf diese aus Musils Nachlaß erstellte Edition startete.

Kritik der reinen Unvernunft

Der Verkehrsminister hat eine flammende Rede gehalten: Westdeutschland habe die meisten Verkehrstoten, von denen kämen 4000 jedes Jahr auf das Konto Alkoholeinfluß, und deswegen müsse die Promillegrenze für Fahruntüchtigkeit von 1,3 auf 0,8 herabgesetzt werden.

Numerus clausus gesprengt

Alle Deutschen haben das Recht, Beruf, Arbeitsplatz und Ausbildungsstätte frei zu wählen. Auf diese Garantie des Grundgesetzes haben 31 Jungakademiker eine Klage vor dem Verwaltungsgericht München auf Zulassung zum Studium der Humanmedizin gestützt; denn: wer in Deutschland Arzt werden will, muß studieren, Zugangsbeschränkungen zum Studium schränken also-auch die Freiheit der Berufswahl ein.

ZEITMOSAIK

Rund achttausend Einwohner des Den Haager Stadtteils Benoordenhout, unter ihnen eine Reihe von Ärzten, mußten in der vergangenen Woche einen Tag lang ohne Telephon auskommen.

Vom Studenten wird erwartet, sich den vom Professor dargebotenen Stoff einzuprägen und im Examen möglichst viel davon wiederzugeben: Prüfung als Studiensteuerung

Wenn nach Sinn und Zweck akademischer Prüfungen gefragt wird, so denkt man vor allem an ihre Auslesefunktion. Mit Hilfe von Prüfungen soll zwischen „geeigneten“ und „nichtgeeigneten“ Kandidaten unterschieden werden, und es sollen qualitative Unterschiede zwischen ihnen aktenkundig gemacht werden: sehr gut, gut, befriedigend und so weiter.

Deutscher Ordinarius im Kollegenkreis:

Neulich in meinem Oberseminar. Ich hatte das Sandersche Parallelogramm an die Tafel zeichnen lassen und gerade zur Erläuterung angesetzt: Es gibt heute drei große Ansätze zur Erklärung der optischen Täuschungen, den von Ipsen und Sander, den von Tausch und den von Rausch.

Archibald McLeish:: Die große Frustration

Daß die Amerikaner sich seit den Tagen Andrew Jacksons, Theodor Roosevelts oder auch Harry Trumans von Grund auf geändert haben, gilt heute als selbstverständlich – wenigstens unter Amerikanern.

In die Jahre gekommen

Tagungen, Kongresse, Wochenendseminare – daran ist kein Mangel in unserem Land. Zum klärenden Abschluß so vieler Zusammenkünfte hierzulande erwartet uns immer jene oratorische Großveranstaltung, der man endlich einmal ein Denkmal setzen sollte.

Todsicher das Heiterste

Gestern abend Deutschmeisterbowle, darüber nachgedacht und schlafen gegangen, und mitten in der Nacht mit zerbrochenem Kopf aufgewacht.

FILMTIPS

„Die Artisten in der Zirkuskuppel: ratlos“, von Alexander Kluge, der offenbar davon träumt, endlich einmal einen nicht sehr sehenswerten Film zu drehen.

Suzanne war verbittert

Sie hatte ihn in Amerika gefunden, in Detroit oder am Broadway oder in Chicago, wo man damals nicht genug Geld hatte, um die Schullehrer zu bezahlen, so wie wir für unser vieles Geld heute nicht genug Schulmeister haben.

Kunstkalender

Nicht mehr „Responsive Eye“ (so hieß die Ausstellung im New Yorker Museum of Modern Art 1965), sondern „Public Eye“. Der Versuch, „die Kunst vom Museum zu befreien“, ein neues Ausstellungsmodell zu kreieren, das die unmittelbare Kommunikation zwischen Kunst und Publikum ermöglicht.

Im Ultrarot entlarvt

Bisher ging das ganz gut: kein Zollbeamter würde die Tankwagen leeren lassen oder gar ein Röntgengerät einsetzen. Doch neuerdings gibt es Ultrarot-Kameras, auf deren Bildschirm derartige Einschlüsse sichtbar werden.

Strahlung war zu stark

So stellt sich die Entwicklung des Universums nach der Urknalltheorie dar. Mit ihrer Gültigkeit aber ist ein Befund nicht in Einklang zu bringen, der am 11.

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