„Querschnitt durch das Schwärze Korps“; hrsg. von Helmut Heiber und Hildegard von Kotze; Scherz Verlag, München, 1968; 207 Seiten, 24,80 DM.

Es lohnt sich, einen Blick in diese journalistische Schreckenskammer zu werfen. Erkennbar wird dort ein Stück der Wirklichkeit des „Dritten Reiches“: Kinderbilder, lieb und freundlich, gab es da seitenweise, deutsche Seen und deutsche Tiere; die deutsche Seele wurde besungen, die deutsche Frau gefeiert, Hitler wurde angedichtet und der namenlose Kämpfer der Waffen-SS. Aber es gab auch dies: Aufruf zum Judenmord, Denunziationen der Physiker Heisenberg und Planck als „arische Judenzöglinge“, Kampfgeschrei wider die katholische Kirche, Sittenrichterei über Kunst und Mode. Das alles zusammen war einmal deutsche Wirklichkeit, gedruckt von der SS, überliefert denen, die sich darüber nur noch verwundern und davor ekeln können.

Es gab nichts Vergleichbares in jenen zwölf Jahren: diese Mischung von „Stürmer“ und Eliteblatt, von „Gartenlaube“ und Oppositionsorgan. Denn in Himmlers Postille, und das war das Eigenartige, wurde auch Widerstand geleistet – gegen das Parteibonzentum, gegen Gesinnungsschnüffelei, gegen Amtsanmaßung. Die SS dünkte sich mehr als jeder andere, das „Schwarze Korps“ auch. Machtkämpfe wurden hier zuweilen versteckt ausgetragen, mit Rosenberg, mit Goebbels, mit Bormann. Der Volksmund nannte das Wochenblatt die „einzige oppositionelle Zeitung“: Es wachte über die „reine Lehre“ des Nationalsozialismus. Darum vor allem eckte es zuweilen an. Es wollte einfach etwas Besseres sein – und war doch nur die Visitenkarte des Schlimmsten. Der Abscheu, der sich einstellt beim Nachlesen, mildert sich nicht durch die geschickte Verpackung, die flotte Aufmachung, den kessen Stil.

„Wir wollen Richtungsmann und Kamerad zugleich sein“, hieß es in dem Einführungsartikel „Unsere Aufgabe“ der Werbenummer des „Schwarzen Korps“ vom Februar 1935. Verfaßt hatte diesen Beitrag Gunter d’Alquen, ein damals knapp 25 Jahre alter SS-Sturmbannführer. Er war, bis zum bitteren Ende, Himmlers „Hauptschriftleiter“. Das „Schwarze Korps“ war sein Erzeugnis.

Erst sollte dieser Jungidealist, Sohn eines wohlhabenden Essener Wollhändlers und Freimaurers, Chefredakteur von Goebbels’ „Angriff’’ werden. D’Alquen, von Alfred Rosenberg entdeckt, war im Blitztempo beim „Völkischen Beobachter“ Chef des innenpolitischen Ressorts geworden, als ihm die Gründung einer SS-Zeitung angeboten wurde. Als nationalsozialistischer „Jungtürke“, der inzwischen auch in Himmlers schwarze Garde eingetreten war und es dort schon zum Sturmbannführer gebracht hatte, empfand er Widerwillen gegen die „Revolutionsgewinnler“ und den „braunen Ämterschacher“. Er wollte „konstruktive Opposition“ betreiben, all den „kleinen Hitlers“ ans Leder gehen. Himmler war’s recht.

Und d’Alquen, ein cleverer Zeitungsmann mit Ideen, machte eines der modernsten, schmissigsten Blätter jener Zeit, mit Bilderseiten und knalligen Schlagzeilen, mit ideologischer Akribie und journalistischem Geschick. Mit 78 000 Stück fing es an; nach 1939, als er obendrein zum Chef der SS-Kriegsberichter aufstieg, wurden 750 000 Exemplare gedruckt. Nach 1945 verurteilte eine Spruchkammer den ehemaligen Standartenführer zu zehn Jahren Gefängnis; heute verbringt er in aller Muße seinen Wohlstands-Lebensabend.

Damals ging er noch auf die Barrikaden: gegen das Weltjudentum, das Weltfreimaurertum, das Weltpriestertum. Und er wetterte auch gegen die braunen Konjunkturritter, gegen die hundertprozentigen Bürokraten. Er tat es mit Zorn und mit Ironie, freilich oft auch in Kitschmanier. Gebräuchlich waren in diesem SS-Journal Vokabeln wie eiserner Wille, Gewissen der Bewegung, eiserne Disziplin, blutliche Schwäche, seelische Ausrichtung, Stärkung der deutschen Volkskraft. In Artikeln des „Schwarzen Korps“ gab es zuhauf solche Sätze: