Von Fritz Baade

Prof. Dr. Drs. h. c. Fritz Baade ist Direktor des Forschungsinstituts für Wirtschaftsfragen der Entwicklungsländer e. V. in Bonn.

Die Entscheidung der Bundesregierung und des Bundestages, sich dem Drängen der Länder mit notleidender Währung zu widersetzen und die Mark nicht aufzuwerten, ist eine richtige Entscheidung. Auch das Instrument, das man hier einsetzen will, nämlich eine steuerliche Verteuerung der Ausfuhr und der Einsatz der so gewonnenen Mittel zur Verbilligung der Einfuhr, ist richtig konzipiert und wird unser Instrumentarium der "konzertierten Aktion" um ein weiteres wichtiges Werkzeug bereichern.

Aber es gibt noch ein anderes Instrument, mit dessen Hilfe die Politik der Nichtaufwertung für die deutsche Wirtschaft noch problemloser gestaltet werden kann: eine Aufstockung der Zahl der einsatzfähigen Arbeitskräfte. Wir müssen das inländische Warenangebot so stark wie möglich vermehren, um der Gefahr einer Preissteigerung zu begegnen. Brachliegende Kapazitäten sind in unserer industriellen Ausrüstung knapp geworden, aber durch Investitionen können zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden. Der entscheidende Engpaß liegt im Angebot von Arbeitskräften. Die Zahl der offenen Stellen ist inzwischen weit über die Zahl der Arbeitslosen hinausgegangen, und der weitere Transfer von Arbeitskräften aus der Landwirtschaft in nichtlandwirtschaftliche Bereiche bietet nur noch verringerte Möglichkeiten.

In dieser Situation ist die Vermehrung der Zahl der in der deutschen Wirtschaft tätigen Gastarbeiter das weitaus wirksamste Mittel, um unseren Bestand an Arbeitskräften aufzustocken. Einen wie wertvollen Beitrag ein arbeitswilliger und gesunder, nach Möglichkeit auch wenigstens einigermaßen ausgebildeter Gastarbeiter für die deutsche Wirtschaft leistet, kann man sich an folgender Rechnung klarmachen:

Ein Gastarbeiter dürfte das Sozialprodukt der Bundesrepublik Deutschland um etwa 20 000 Mark jährlich vermehren. Der ihm ausgezahlte Lohn liegt wohl durchschnittlich in der Größenordnung von 10 000 Mark, während aus seinem Arbeitsprodukt ein Betrag von 10 000 Mark in Gestalt von Steuern, Sozialbeiträgen und Bruttogewinn des Arbeitgebers anfällt. Bei den Sozialbeiträgen stellt er zumindest für die Krankenversicherung ein sehr günstiges Risiko dar, da seine Neigung, sich bei kleinen Unpäßlichkeiten krank schreiben zu lassen, viel geringer ist als seine Neigung, in der Zeit, in der er in Deutschland ist, möglichst viel zu verdienen und zu sparen.

Die Ersparnisse der Gastarbeiter sind zunächst für die Wirtschaft der Heimatländer, aber auch für die deutsche Wirtschaft ein sehr positiver Faktor. Allein die spanischen und türkischen Gastarbeiter haben jahrelang von ihrem Nettoeinkommen in ihr Heimatland jährlich 4000 Mark oder 1000 Dollar in Form von Geld oder Produktionsmitteln transferiert. Diese Überweisungen stellten einen sehr wertvollen Beitrag für die Gesundung der Zahlungsbilanz ihrer Heimatländer dar.