Atempause im Währungskrieg

Von Diether Stolze

Die Ereignisse der letzten zehn Tage haben weit weniger die Macht als vielmehr die Ohnmacht der Deutschen aufgezeigt. Schließlich besteht das Ergebnis der 30 Stunden von Bonn darin, das gerade das Land, das es am wenigsten nötig hatte die größten Opfer brachte, um das in Unordnung geratene internationale Währungssystem über die nächsten Runden zu bringen. Die Position Bonns war, ungeachtet mancher Siegesmeldungen, sogar so schwach, daß Wirtschaftsminister Schiller sich genötigt sah, die Exportsteuer schon vor Beginn der Konferenz als Vorleistung anzubieten.

Dabei bestand nicht der geringste sachliche Grund, die Ein- und Ausfuhr zu manipulieren. Das Märchen, die Deutschen seien Störenfriede innerhalb der Währungsordnung und würden durch allzu hohe Exportüberschüsse den Welthandel aus. dem Gleichgewicht bringen, wird nicht dadurch wahr, daß es immer wieder neu erzählt wird. Halten wir uns an Tatsachen. Richtig ist, daß die Bundesrepublik einen höheren Ausfuhrüberschuß erzielt als jedes andere Industrieland. Im Rezessionsjahr 1967, als die deutsche Industrie auf Auslandsmärkte ausweichen mußte, erreichte der Exportüberschuß eine Rekordhöhe von 16,8 Milliarden Mark.

Kein alarmierender Überschuß

In diesem Jahr ist der Export schneller gewachsen und hat der Import weniger als erwartet zugenommen, weil auch im Konjunkturaufschwung die Preissteigerungen bei Industrieerzeugnissen gering geblieben sind, während sich die Teuerung in den wichtigen Konkurrenzländern beschleunigt hat. Man darf schätzen, daß die Ausfuhr 1968 an die "Traumgrenze" von 100 Milliarden Mark herankommt, während der Wert der Einfuhren knapp über 85 Milliarden Mark liegen wird. Bleibt ein Exportüberschuß von voraussichtlich 15 Milliarden Mark.

Nun sagt die Höhe des Saldos im Außenhandel wenig über die Devisenposition eines Landes aus. Die Vereinigten Staaten haben zeitweise höhere Exportüberschüsse erzielt und doch eine negative Zahlungsbilanz vorlegen müssen. Die Bundesrepublik benötigt jedes Jahr Devisen im Wert von acht Milliarden Mark für Auslandsreisen, Gastarbeiter, Entwicklungshilfe und ähnliche Ausgaben. So reduziert sich der Überschuß von 1967 schon auf knapp neun, in diesem Jahr auf sieben Milliarden Mark. Aber auch diese Summen sind nicht im Lande geblieben: Durch Anleihen, die der Weltbank, fremden Staaten und Städten gewährt worden sind, sowie durch andere Formen des Kapitalexports wurde der größte Teil des Geldes ins Ausland zurückgebracht. Alles, was von den Milliardenüberschüssen des Jahres 1967 übrig blieb, waren 143 Millionen Mark – um diese Summe hatte sich der, Devisenbestand der Bundesbank im vergangenen Jahr erhöht.