Die Liste ihrer einzelnen Erfolge ist lang; aber sie war längst nicht lang genug. Das ist die Bilanz der Zahlen in diesem Buch, das in aller seiner Kargheit den ehemaligen Seemann, den aktiven Marineofizier, den Historiker, den interessierten Politiker oder auch den „shiplover“, der Marinefakten sammelt wie anderem ihre Briefmarken oder Bierdeckel, genug Anlaß zum Nachdenken bietet: Zwischen Anspruch und Ergebnis klaffte auch im U-Boot-Krieg eine Lücke, die mit Nazi-Gewalt nicht zu schließen war.

Den Männern, „deren Schicksal sich auf den in dieser Dokumentation genannten Schiffen erfüllt hat“, wurde das Buch, ein einzigartiges Tabellenwerk, von seinem Autor gewidmet. Tausende von ihnen waren Zivilisten. Sie starben in einem Kampf, den sie als brutal und hinterlistig empfinden mußten. Man hat so oft von den U-Boot-Fahrern gesprochen und so wenig von jenen, die mit den torpedierten Schiffen untergingen, von den im Wortsinn braven Seeleuten; man sollte nicht vergessen: sie haben gesiegt, die Frachter und Tanker und Transporter – und nicht die U-Boote.

Das U-Boot war keine Wunderwaffe; aber es war die bei weitem schärfste Waffe, die Deutschland auf hoher See führen konnte, zu scharf übrigens, als daß Politiker sie zu handhaben vermochten, ohne sich gleichsam in den Finger zu schneiden. Das außenpolitische Fiasko mit dem uneingeschränkten U-Boot-Krieg von 1917, dem ein Exempel innenpolitischer Entschlußlosigkeit vorausging, ist dafür das bekannte Beispiel.

Im April 1917 (und nicht etwa in irgendeinem Monat während des Zweiten Weltkrieges) erzielten deutsche U-Boote ihren größten Erfolg: in 133 Unternehmen versenkten 87 U-Boote 458 Handelsfahrzeuge mit zusammen 841 118 Bruttoregistertonnen. Der für deutsche U-Boote erfolgreichste Monat im Zweiten Weltkrieg war der November 1942, als 118 Handelsschiffe mit insgesamt 743 321 Bruttoregistertonnen vernichtet wurden (gemeldet hatte man 149 Schiffe mit 955 200 Bruttoregistertonnen). Am Ende beider Kriege war die U-Boot-Blockade um England zusammengebrochen. Über Politik, Strategie und Taktik des U-Boot-Einsatzes ist seitdem offen und geheim ohne Schlußwort diskutiert worden. Wer mitreden will, muß Bodo Herzogs Buch über „60 Jahre deutsche Uboote“ zur Hand haben.

Es enthält keine Thesen, sondern Tatsachen. Nirgends sonst sind sie in solcher Fülle zusammengetragen worden. Mehr als zweitausendzweihundert Quellen und Literaturhinweise, bis hin zum einschlägigen Zeitungsartikel, hat der Autor genutzt; und dazu muß angemerkt sein, daß Bodo Herzog ein Feierabendhistoriker ist, ein Amateur unter den Seekriegsgeschichtsforschern, aber beileibe kein Dilettant. Der Mann, der tagsüber als kaufmännischer Angestellter in Oberhausen arbeitet, hat mehr Fakten über U-Boote (über Uboote, wie er ohne Bindestrich und nicht ohne Konsequenz schreibt) gesammelt als irgendein anderer und hat mit seiner „Besserwisserei“ schon viele Fachleute herausgefordert. Seine Detailkenntnis ist ungeschlagen geblieben.

Daß ihm bei der Edition seines in Jahren entstandenen Buches offenbar kein wissenschaftlich ausgebildeter Historiker Hilfestellung bot, ein Manko, das man dem Verlag ankreiden mag, tut diesem Wälzer voller U-Boot-Wissen weiter keinen Abbruch. Man hätte einiges klarer gliedern und härter gegenüberstellen und anderem den Zufallscharakter nehmen können; und vieles aus dem Wust von Anmerkungen hätte in den Text gehört, und umgekehrt. Doch solche Fehler sind übersehbar. Der Autodidakt, der auf Kisten und Kasten voller Tatsachen pocht, braucht keine Kritik zu scheuen, auch dort nicht, wo er selbst höchst kritische Einwände macht oder beiläufig ausspricht, was andere allenfalls zwischen den Zeilen andeuten.

Er läßt, zum Beispiel, nicht unerwähnt, daß nicht nur Literaten jener Generation, sondern auch Marineoffiziere einige Nazi-Literatur-Sünden begangen und Judenhaß-Sprüche in ihre Erlebnisberichte aufgenommen haben. Er zitiert in einer Anmerkung den Bericht über eine Rede, in der Raeder noch 1936 die Ingenieuroffiziere abkanzelte: Für die Ehre der Flagge sei der Seeoffizier verantwortlich, und (sinngemäß) der Ingenieuroffizier habe sich im zweiten Glied zu halten. Da fand immer noch der Klassenhochmut aus Kaisers Zeiten mit dem Standesdünkel der Offiziere auf der Brücke gegenüber den Offizieren an der Maschine absurden Ausdruck. Bodo Herzog kritisiert das und anderes „en detail“ und wirft dabei scharfes Schlaglicht auf die übliche, meist von Admiralen gepachtete Marinehistorie.