DIE ZEIT

Bonn ist schwächer als die Mark

Die Ereignisse der letzten zehn Tage haben weit weniger die Macht als vielmehr die Ohnmacht der Deutschen aufgezeigt. Schließlich besteht das Ergebnis der 30 Stunden von Bonn darin, das gerade das Land, das es am wenigsten nötig hatte die größten Opfer brachte, um das in Unordnung geratene internationale Währungssystem über die nächsten Runden zu bringen.

Klitterung

Jede Schule in der Bundesrepublik wurde in jüngster Zeit mit einer farbigen Landkarte aus dem Westermann-Verlag bedacht: „Deutsche Heimat im Osten“ (Maßstab 1 : 1000 000).

Wahn und Wirklichkeit

Es kann niemanden wundernehmen, daß die Bemühungen der Zehnerkonferenz, die Währungskrise solidarisch zu beheben, gescheitert sind.

Ein lebendes Denkmal

Max Reimann ließ sich noch einmal von der Woge der Emotion tragen. Als die Internationale in der Dortmunder Westfalenhalle aufklang, gesungen von fast zweitausend Menschen, da fuhr es dem hageren Greis in die Glieder.

ZEITSPIEGEL

„Die Deutschen nützen ihre Position der Stärke aus. Sie scheinen vergessen zu haben, daß wir in der Stunde unseres Sieges nach dem letzten Krieg bei uns das Brot rationierten und andere Opfer auf uns nahmen, um sie zu retten.

Die Bombe von Jerusalem

Es sollte nur ein Scherz sein, und es war dann doch blutiger Ernst. Am Freitagmorgen passierte ich die Kontrolle am Eingang zum Verteidigungsministerium in Tel Aviv.

Prügelknaben der Nation?

Neun Jahre – Zeit genug, das zu sein, was wichtig scheint: korrekt und pflichtbewußt und immer gehorsam; Zeit genug auch, als „Bekenner einer demokratischen Grundordnung“ Gefahren von jener Öffentlichkeit abzuwehren, deren Ordnung, wenn ihre bestellten Wächter sie zu ernst nehmen, zur Willkür wird.

Blinder Alarm

Egon Bahr, im Schöneberger Rathaus einst Pressechef und jetzt im Auswärtigen Amt Sonderbotschafter Willy Brandts, hat in Ostberlin nicht mit Leuten vom SED-Zentralkomitee verhandelt; der Bundesnachrichtendienst besitzt keine Tonbandaufzeichnung darüber; die dunklen Andeutungen, die der Bayern-Kurier und die Welt am Sonntag in die Welt gesetzt haben, beruhen auf einem Irrtum oder einer Fälschung.

Feindliche Brüder

Seit dem 21. August wächst in der Bundesrepublik die Neigung, den Osten keiner Dummheit und keiner Infamie mehr für unfähig zu halten.

Appell an Seoul

Am 17. Juni 1967 folgten zwölf in der Bundesrepublik lebende Südkoreaner den Männern des südkoreanischen Geheimdienstes, um sich „freiwillig“ in die Heimat transportieren zu lassen; am 9.

Ein Lichtblick

Der Mann, der im August ein Attentat auf den griechischen Ministerpräsidenten Papadopoulos verübte, Alexander Panagoulis, wird nicht hingerichtet.

England schnallt den Gürtel enger

Noch bevor der britische Finanzminister Jenkins seinen Landsleuten am Fernsehschirm Anweisungen zum Engerschnallen des nicht mehr sehr weiten Gürtels erteilte, hat er ihnen versichert, die Deutschen seien nicht schuld daran.

Treffen – zu Moskau im Mai

Hat es wirklich Sinn, das Pferd am Schweif aufzuzäumen und den Termin für eine kommunistische Weltkonferenz festzulegen, noch ehe eine solide Voraussetzung, nämlich ein gewisses Maß von Einheit und Vertrauen für ein solches Treffen entstanden ist?“ Das war die Frage, die Rumäniens Kommunisten beim jüngsten Vorbereitungstreffen von 67 Parteien in Budapest immer wieder stellten.

Kampf um den Franc

Zeit seines Lebens hatte General de Gaulle, wie man in der ersten Zeile seiner Kriegserinnerungen nachlesen kann, „une certaine idee de la France Die Franzosen haben längst begriffen, daß er auch eine bestimmte Idee für den Franc hat.

Dienst nach Vorschrift

Dienstverweigerung oder Arbeitsniederlegung, auch zum Zweck der Wahrung und der Förderung der Arbeitsbedingungen, sind unzulässig“ – so hieß es im Regierungsentwurf des Bundesbeamtengesetzes aus dem Jahr 1951.

...und das nicht nur zur Weihnachtszeit

Die meisten Beamten haben zu dieser Stunde Stuhl und Tisch längst geräumt. Alfred Krause, Vorsitzender des Deutschen Beamtenbundes, ist aber auch nach Dienstschluß noch im Dienst, um Rede und Antwort zu stehen – etwa auf die Frage, warum immer nur zur Weihnachtszeit zwischen den Beamten und ihrem Dienstherrn der „Ärger vom Dienst“ aufkomme.

Recht auf Demonstration

Die grünen Uniformen der hessischen Polizisten waren das erste, was man sah. Dann am Gitter, das nur einen engen Durchlaß bot, die Frage nach dem Namen.

Im Streit vereint

In Italien dreht sich wieder einmal das Krisenkarussell. Das christlich-demokratische Übergangskabinett Leone ist nach halbjähriger Überzeit zurückgetreten.

Namen der Woche

Marko Nikezic (47), jugoslawischer Außenminister seit 1965, wurde von der KP Serbiens zum neuen Parteivorsitzenden gewählt und rückte damit weiter in der Führungsspitze auf.

Rom: Regierung Rumor?

Die italienische Regierungkrise schien sich Mitte der Woche ihrem Ende zu nähern: Staatspräsident Saragat beauftragte den Generalsekretär der Christlich-Demokratischen Partei (DC), Mariano Rumor, mit der Kabinettsbildung.

Nervosität in Afrika

BAMAKO – Wieder hat einer der großen alten Männer Afrikas einem Militärputsch weichen müssen. Mobido Keita (53), Staatspräsident, Regierungschef und Oberbefehlshaber von Mali, wurde vorige Woche von einem „Militärkomitee für nationale Befreiung“ unter dem bisher unbekannten Leutnant Traore entmachtet.

Husak: Die KPČ ist gespalten

Der slowakische Parteichef und stellvertretende Ministerpräsident der ČSSR, Husak, hat vorige Woche in einer Rede bestätigt, was nicht länger verborgen bleiben konnte: daß sich die KPČ gewissermaßen in eine „Regierungspartei“ und in eine „Oppositionspartei“ gespalten habe.

Saigon ist gesprächsbereit

Damit hat US-Präsident Johnson dem südvietnamesischen Staatspräsidenten Thieu in mehreren wichtigen Punkten nachgegeben, um seine vor einem Monat verkündete, dann aber am Widerstand Saigons festgefahrene Friedensinitiative wieder flottzumachen.

Einladung nach Moskau

Die Delegationen von 67 kommunistischen Parteien haben sich vorige Woche in Budapest prinzipiell auf Termin und Thema einer KP-Weltkonferenz geeinigt.

Von ZEIT zu ZEIT

Durch einen einsamen Entschluß verhinderte Frankreichs Staatspräsident Charles de Gaulle die von vielen Ländern erwartete Abwertung des Franc.

Wirbel um Egon Bahr

Gibt es wirklich eine „Affäre Bahr“? Dem Sonderbotschafter, 1960 bis 1967 Pressechef des Berliner Senats unter dem Regierenden Bürgermeister Willy Brandt (SPD), ist nachgesagt worden, er habe vor Jahren geheime Gespräche im SED-Zentralkomitee geführt.

Demonstration gegen Nasser

Im Teufelskreis arabischer Terroranschläge und innenpolitischer Unruhen droht die Aussicht auf Frieden im Nahen Osten zuschanden zu werden.

Die Koalitionszwillinge

Erst wenn Barzel und Schmidt anfangen, aufeinander zu schießen, ist die Große Koalition zu Ende", sagte jüngst ein Bonner Abgeordneter, als es wieder einmal so aussah, als ob der Haussegen der Koalition schief hinge.

Bhuttos Saat geht auf

Zehn Jahre lang hat in Pakistan Ayub Khans „gelenkte Demokratie“ funktioniert. Der baumlange Feldmarschall-Präsident hat die Industrie angekurbelt, der Landwirtschaft geholfen und den Kaschmir-Krieg gegen Indien durchgestanden.

Vietnams militante Katholiken

Einen Monat lang blockierte die südvietnamesische Regierung die Pariser Gespräche, weil sie die Vietcongs nicht als selbständigen Konferenzpartner akzeptieren wollte.

Afrikas 17. Militärputsch

In Mali, einem der größten und zugleich bevölkerungsärmsten Staaten Westafrikas, hat der unbekannte Leutnant Moussa Traore ein politisches Idol vom Präsidentenstuhl gestürzt: den Präsidenten Mobido Keita.

Auf Sand gebaut

Wenn alles gutgeht, werden die Bewohner von vier Schlafgemeinden in einigen Wochen als Städter erwachen: Am Nordrand Hamburgs, im südwestlichsten Zipfel Schleswig-Holsteins, sollen oder wollen die vier Gemeinden Garstedt (20 000 Einwohner), Harksheide (19 000), Friedrichsgabe (6000) und Glashütte (5000) eine Stadt mit Namen Norderstedt werden.

Kein guter Held

Zehn Jahre lang deklamierte er als Don Rodrigo, Wetter vom Strahl und Bürger Schippel willig fremde Texte. Dann versuchte sich der 41jährige Bürger und Schauspieler Bernd Schäfer zur Abwechslung einmal an einem eigenen Text: „Wir stehen hier auf der Straße, weil uns verboten wurde, im Haus zu diskutieren.

Religiös manipuliert?

Der katholische Nachrichtendienst funktionierte: „Die sind jetzt im evangelischen Gemeindehaus.“ Nicht zutreffend war allerdings die Vermutung einer Dame, daß dort „Erbsensuppe gegessen würde“.

Staub und Glanz

Bevor sie kam und ihre Federn bewegte, herrschte Mittelmäßigkeit, die wohl überall dem Auftritt der Großen vorausgeht. Josephine Baker im Ostberliner Friedrichstadt-Palast: Eine Legende im nicht mehr ganz weißen Kleid.

Tagung der Gruppe 61

Auch die diesjährige Herbsttagung der Gruppe 61 am Bußtag in Dortmund begann wie jedesmal – mit einleitenden Worten, Lesungen und Grundsatzkritik.

Brechts Mentor

Ich habe den ‚Don Carlos‘, weiß Gott, je und je geliebt. Aber in diesen Tagen lese ich in Sinclairs ‚Sumpf‘ die Geschichte eines Arbeiters, der in den Schlachthöfen Chikagos zu Tod gehungert wird.

Abtreibung im Fernsehen

Am Anfang fürchtete man das Schlimmste für das Gesundheitsmagazin des ZDF am Montagabend: Da wurde, ein wenig scheu, für Gesundheitsbücher geworben, warum denn nicht – aber dann tauchte unter diesen "Gesundheitsbüchern" Solschenizyns Roman "Krebsstation" auf.

Hans Lietzaus langsame Karriere

Hans Lietzau wurde 1913 in Berlin geboren. Dort hat er 1932 Theater- und Zeitungswissenschaft zu studieren begonnen, dann besuchte er zwischen 1933 Und 1935 die Schauspielschule des Preußischen Staatstheaters.

Nach der kurzen Amtszeit Monks am Deutschen Schauspielhaus ließe sich, wie so oft in den letzten Jahren, die Annonce aufgeben:: Intendant gesucht

Josef Aufricht, also immerhin der Berliner Theatermann, an dessen Bühne Ende der zwanziger Jahre die „Dreigroschenoper“ ihre glanzvolle Feuertaufe erlebte und Ödön von Horváths „Geschichten aus dem Wiener Wald“ uraufgeführt wurden, berichtet in seinen Lebenserinnerungen, welchen Schock es ihm bereitet habe, als sich New Yorker Zeitungen auf einen „1000-Dollar-Tenor“ freuten.

Drei Fragen an neun Intendanten

1. Ich bin ganz und gar gegen das viele Krisengeschrei. Überall, wo gutes Theater gespielt wird, erweist es sich, daß es zwar Schwierigkeiten vielerlei Arten gibt, aber die hat es immer gegeben – vielleicht, nur aus stets verschiedenen Ursachen.

Verrechnet

Dieses Stück wurde von den französischen Gewerkschaften in Auftrag gegeben. Die Uraufführung 1967 vor Arbeitern in Toulouse hat Garn selbst inszeniert.

Omas Operette

Wenn sich die Operette geniert, dann wählt sie ein Pseudonym und heißt: Musical. In dem Musical „Wodka für die Königin“ läßt sich die Majestät eines östlichen Operettenlandes volllaufen.

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