BAMAKO – Wieder hat einer der großen alten Männer Afrikas einem Militärputsch weichen müssen. Mobido Keita (53), Staatspräsident, Regierungschef und Oberbefehlshaber von Mali, wurde vorige Woche von einem „Militärkomitee für nationale Befreiung“ unter dem bisher unbekannten Leutnant Traore entmachtet. Neben dem amtierenden Staatspräsidenten von Guinea, Sékou Touré, und dem ghanesischen Präsidenten Nkrumah, der bereits 1966 verjagt wurde, war Keita der dritte Führer Westafrikas gewesen, der sich einer sozialistischen Lösung verschrieben hatte.

Als Frankreich seiner Kolonie 1960 die Unabhängigkeit gewährte, gab Mali (fünfmal so groß wie die Bundesrepublik; 4,5 Millionen Einwohner), die Mitgliedschaft in der Franc-Zone auf und verzichtete auf französische Wirtschaftshilfe. Doch weder die kurzlebige Föderation mit dem reicheren Senegal (1959/60) noch die Zusammenarbeit mit den Chinesen konnte den wirtschaftlichen Abstieg aufhalten.

Die wachsende Verschuldung Malis zwang Keita vielmehr, sich seit 1967 Frankreich wiederanzunähern und am 1. April dieses Jahres sogar erneut der Franc-Zone beizutreten. Die Putschisten aber wollten der noch immer drohenden Wirtschaftskatastrophe vorbeugen.

Auch der politische Kurs, den Keita mit seinem „malischen Sozialismus“ eingeschlagen hatte, behagte den Offizieren nicht. Die straff organisierte Staatspartei, deren Führer Keita war, und die paramilitärische „Junge Mali-Miliz“ hatten zuviel Einfluß gewonnen. Die Miliz wurde aufgelöst.

Die Rebellen traten ihr Amt unter Versprechungen an, die bisher jede der zwölf in Afrika herrschenden Militärjuntas gemacht, aber nur selten eingelöst hat: Dem Umsturz sollen alsbald freie Wahlen folgen, alle außenpolitischen Verpflichtungen werden eingehalten.

FREETOWN. – Nach einer Welle der Gewalttätigkeit hat Premierminister Siaka Stevens vorige Woche den Ausnahmezustand über Sierra Leone verhängt. Traditionelle Geheimbünde, so klagte er im Rundfunk, seien zu Terroraktionen mißbraucht worden. Armee und Polizei würden die Ruhe wiederherstellen. Sie nutzten freilich die Gelegenheit, auch führende Oppositionspolitiker und mehrere Stammeshäuptlinge zu verhaften. Die Regierung verordnete sich außergewöhnliche Befugnisse und sagte die Nachwahlen in mehreren Distrikten des Landes ab.

SANSIBAR. – Angeblich wollte man auf der Tansania vorgelagerten Insel nur die Bereitschaft der „Volksverteidigungswehr“ und der Polizei erproben, mit einem Putsch – wie dem in Mali – fertig zu werden. Aber als vorige Woche über die Stadt Sansibar eine zehnstündige Ausgangssperre verhängt wurde und am Ende der „Notstands-Übung“ am Hafen sogar heftiges Maschinengewehrfeuer aufflackerte, konnte durchaus auch ein „echter“ Umsturzversuch gegen das linksgerichtete Insel-Regime im Gange sein. Jedenfalls war es das erste Manöver dieser Art, das seit dem Machtantritt der Regierung Karume vor drei Jahren stattfand. Karume hatte in letzter Zeit wiederholt vor Versuchen gewarnt, sein Regime zu stürzen.