Als im vergangenen Winter das baden-württembergische Kabinett und die Geschwister-Scholl-Stiftung beschlossen, die krisenfreudige Ulmer Hochschule für Gestaltung der Ulmer Ingenieurschule anzugliedern, drohten Dozenten und Studenten mit Selbstauflösung. Gegen den Willen des Finanzausschusses beschloß daraufhin der Landtag, den Ulmern für das Jahr 1969 noch einmal aus der Klemme zu helfen.

„Mit seiner Entscheidung“, schrieb Hermann Funke in dieser Zeitung am 26. Juli 1968, „hat der Landtag der Hochschule die Verantwortung für ihr Weiterbestehen zurückgegeben... nun sind die internen Schwierigkeiten der Schule wieder ihre größte Gefahr.“ Diese internen Schwierigkeiten (zu denen in Ulm seit eh und je nicht nur die verworrenen Finanzen, sondern auch Schwierigkeiten bei der Findung eines Konzepts gehören, neuerdings auch noch Auseinandersetzungen zwischen Studenten und der Leitung) konnten allem Anschein nach bis jetzt nicht behoben werden. Da das Land Baden-Württemberg jedoch seine finanzielle Unterstützung von einer Neuordnung der Verhältnisse in Ulm selber abhängig gemacht hatte, empfahl Ministerpräsident Filbinger die Schließung der HfG und gleichzeitig die Neugründung einer Schule, deren Aufgabenstellung mit der HfG übereinstimmen, sich jedoch „neugeordnet und in einer zukunftsträchtigen Form“ präsentiere.

Es gibt in Ulm zur Zeit 8 Dozenten und 30 Studenten. Ideale Studienbedingungen, sollte man meinen. Nur bezeugt Rektor Ohls eilfertig in die Diskussion geworfene Bemerkung, es gebe in Wahrheit aber 100 Studenten, leider das Gegenteil: die 70 in Ulm nicht vorhandenen haben sich nämlich beurlauben lassen, um ihre Ausbildung so lange, wie in Ulm Chaos herrscht, an anderen Instituten fortzusetzen.

Die HfG hat viele Chancen und viel guten Willen auf ihrer Seite gehabt. Aber eine Hochschule läßt sich auf die Dauer nicht verwalten wie ein Bauchladen. Nachdem es den Ulmern nicht gelungen war, bis zum als Stichdatum vereinbarten 1. Dezember das eigene Haus auch nur halbwegs in Ordnung zu bekommen, scheint der Entschluß des Landes Baden-Württemberg verständlich. Sinnvoll wird er allerdings nur, wenn man aus der Ulmer Konkursmasse rettet, was zu retten ist, und die Liquidierung der alten mit der Installierung einer neuen HfG Hand in Hand gehen. P. K.