In ältester Zeit waren es eigentlich praktische Überlegungen, welche Fürsten und Ritterschaft dazu bewegten, den Ablauf von Fechtübungen – ähnlich wie heute in photographischen Reihenbildern oder Lehrfilmen – von einem gewandten Beobachter zeichnerisch festhalten zu lassen, um die technischen Erfahrungen in eigentlichen Lehrbüchern oder Bilderhandschriften für den Nachwuchs festzuhalten. Nicht immer sind diese Bilderhandschrift von so hoher Qualität wie etwa die, welche Albrecht Dürer schuf (heute im Besitz des Britischen Museums) oder wie die aus dem Jahre 1443 stammende Talhoffersche Fechthandschrift, die in der Bayrischen Staatsbibliothek verwahrt wird und von der in der Ausstellung zwei vorzügliche Faksimilebände zu sehen sind.

In einer Vitrine liegt allerdings eine alte Abschrift aus dem Jahre 1557 des vom Frankfurter Fechtmeister Lichtenauer schon 1389 in Reimen abgefaßten Fechtbuches auf. Dieses Manuskript hat seine eigene Geschichte, gehörte es doch dem ältesten Sohn des Basler Buchdruckers Johannes Froben, der es vielleicht als Unterlage für die Drucklegung – die freilich nie erfolgte – erworben hatte. Auf dem Titelblatt findet sich neben dem Namen des Besitzers Ambrosius Froben die Devise: Frisch, Frey, Frölich, Frumb, das ist all min Richtumb, die später den Turnern als Devise dienen sollte. Die Handschrift wurde vom Stadtarchiv Biel zur Verfügung gestellt.

Am Anfang der aus lauter graphischen Blättern bestehenden Ausstellung finden sich die glanzvollen Turnierszenen um 1500, den Monogrammisten MZ (Matthäus Zasinger) aus München und zwei Holzschnitten von Lukas Cranach, welche das große „Rennen“ von 1509 am Wittenberger Hof zum Gegenstand haben. Auf diesen Darstellungen sind die wesentlichsten Phasen eines ritterlichen Turniers zu erkennen. Wir sehen beispielsweise, daß die Wettkämpfer bereits von eigentlichen Speakern – den Kroijieren – begleitet waren. Diesen fiel die Aufgabe zu, die Vorzüge und den Mut ihrer Herren zu preisen, die Gegner aber laut lächerlich zu machen. Diese Begleitperson des Turniers ist später im bürgerlichen Schützenwesen als Pritschenmeister integriert worden. Der ritterliche Zweikampf – Tijost genannt – bestand allerdings nicht, wie man allgemein glaubt, einzig und allein im Anrennen auf dem gepanzerten Pferd, um mit langen Stangen (die, mit Turnierkrönlein aus Metall bestehend, ungefährlich gemacht worden waren), um den Gegner aus dem Sattel zu heben, sondern auch im Fechten zu Pferd mit Schwertern und Dolchen, aber auch in weiteren Gängen aus einem Fußfechten, das dann überleitete zur bürgerlichen Fechtkunst.

Mit der Erstarkung des Städtebürgertums hatte dieses selbst für seine Verteidigung zu sorgen und sich in der Handhabung der Hieb- und Stichwaffen zu üben. So waren es vorab die Handwerksmeister und Gesellen, die sich in Fechtbrüderschaften zusammenschlössen. Die älteste derartige Organisation, die Meister des Schwerts, bekam 1847 ein Privileg Kaiser Friedrich III. in Nürnberg und erkor zu ihrem Schutzpatron den heiligen Markus, um sich fortan kurzweg Marxbrüderschaft zu nennen. Ein Jahrhundert später bekamen sie in Frankfurt am Main eine Konkurrenz, schlossen sich doch dort die Freifechter zur Bruderschaft der Feder zusammen. Dazu gesellten sich die böhmischen Veitsbrüder und die nichtorganisierten Fechter, die man als Luxbrüder bezeichnete.

Wie hochentwickelt die deutsche Fechtkunst im 15. Jahrhundert war, beweist der Umstand, daß das Wort „Schirmen“ für Fechten auch als Excrima ins Spanische, Excrime ins Französische und Scherma ins Italienische übernommen wurde. Die Schwertbruderschaften rekrutierten sich aus den verschiedensten Berufen wie Kaminfeger, Drahtzieher, Zinngießer, Goldschmiede, Feuermachen, Schwertfeger, Schlosser, Schuster, Bäcker und so weiter und gaben nur „anpelobigten Meistern“ das Recht, Fechtschulen – das heißt Schaufechten – abzuhalten. In Basel hat 1492 der Berner Peter Switzer um die Erlaubnis nachgesucht, eine Fechtschule abzuhalten.

Nur weil das Fechten einst so weitverbreitet gewesen, vielleicht in früheren Jahrhunderten „der Sport“ schlechthin war, sind so manche fechterische Ausdrücke in den allgemeinen Sprachgebrauch übergegangen. Wir erwähnen hier: Geist- und Wortgefechte, parieren, Finte, Seitenhieb, die Klingen kreuzen, übers Ohr hauen, vor den Kopf stoßen, links und rechts wie ein Federfechter, Kampf auf Degendistanz, Florettstoß, Parade, etwas abschlagen und so weiter. Aus der Bilderfülle der Ausstellung jedoch läßt sich die einstige Popularität des Fechtens noch anschaulicher konstatieren. F. K. Mathys